Von April bis Oktober 2016

EifelAward 2010 für das Eifel-Literatur-Festival

Gute Nachricht aus Berlin: Das Eifel-Literatur-Festival wurde mit dem EifelAward 2010 ausgezeichnet - am 9. März, in der Landesvertretung NRW in Berlin.
Landrat Rosenke (Euskirchen) überreichte die markante Holz-Glas-Skulptur, die stellvertretende Landrätin Monika Fink (Eifelkreis Bitburg-Prüm) die Urkunde.
Zuvor hatte Dr. Sigfrid Gauch, der langjährige Literaturreferent des Landes Rheinland-Pfalz und Mitglied des P.E.N.-Vorstands der Bundesrepublik Deutschland, die Laudatio auf das Eifel-Literatur-Festival und den Initiator und Organisator Dr. Josef Zierden gehalten.
(Text am Ende) Von einem „Eifel-Nobelpreis“ sprach später die Presse eifelweit.

Erstmals ist der Preis im Dezember 2009 verliehen: für die Eifelkrimi-Initiative von der Nordeifel bis zur Vulkaneifel, stellvertretend entgegen genommen von Jacques Berndorf und Ralf Kramp.
Verliehen wird der Preis von der „Zukunftsinitiative Eifel“ (ZIE). Hier haben sich, über Landesgrenzen hinweg, alle 10 Eifelkreise, 63 Kommunen und 8 regionale Wirtschaftskammern sowie die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens zusammengeschlossen. Ihr Ziel: die Eifelregion zu stärken im Wettbewerb der Regionen.

Den EifelAward 2010 nahm Dr. Josef Zierden entgegen, stellvertretend für alle, die den Literaturmarathon in der Eifel möglich machen. 2010 waren rund 15.000 Besucher zu 28 Literaturveranstaltungen eifelweit geströmt. Das Eifel-Literatur-Festival zählt inzwischen zu den 12 wichtigsten Literaturevents in Deutschland.

Gleichsam als „Dankeschön“ kündigte Dr. Zierden die erste Sonderveranstaltung des Festivals an: im Herbst 2011, mit einem weltweit bekannten und außerordentlich bedeutenden deutschsprachigen Schriftsteller. Der Name wird am 7. April auf einer Pressekonferenz in Prüm bekanntgegeben. Schon jetzt ranken sich eifelweit wilde Spekulationen um den möglichen Nobelpreisträger für Literatur...
Tipp für alle Festivalfreunde: Der Vorverkauf für das Festival-Special startet am 7. April mit Beginn der Pressekonferenz, um 16.00 Uhr. Mehr als 700 Plätze sind nach neuen Sicherheitsrichtlinien in der Aula der Ex-Hauptschule Prüm nicht möglich.
Hier hatte im Mai 2010 schon die Nobelpreisträgerin für Literatur 2009, Herta Müller, die Zuhörer fasziniert.

Ausgiebige Büchersignierung ist ausdrücklich vorgesehen. Kein Weg dürfte zu weit sein für diese Festivalüberraschung. Dr. Zierden hat 14 Jahre lang daran gearbeitet, dieses Ereignis in der Eifel möglich zu machen. Endlich ist es gelungen.

Laudatio von Dr. Siegfried Gauch

anlässlich der Verleihung des Eifel Award an Dr. Josef Zierden
Berlin, Landesvertretung Nordrhein-Westfalen, 9. März 2011, 20 Uhr


Meine Damen und Herren,
sollten Sie erwarten, dass ich in meiner kurzen Laudatio darüber sprechen werde, wie sehr sich Dr. Josef Zierden mit seinem Eifel Literatur Festival um die Eifel und damit um uns verdient gemacht hat, so irren Sie sich. Das Gegenteil werde ich tun: ich werde Ihnen als einer, der das Entstehen des Eifel Literatur Festivals vom ersten Tag an begleitet, unterstützt und gefördert hat, nachweisen, dass sich im Gegenteil die Eifel, dass wir uns um Josef Zierden verdient gemacht haben und dieser Preis eigentlich uns, Ihnen also und der Eifel, gehört. Sie wundern sich, aber ich weiß, wovon ich rede. Vor Jahren bin ich mit Josef Zierden durch seinen Geburtsort Prüm spaziert. Er hat mir die Stätten seiner Jugend, sein Elternhaus gezeigt. Er hat mir davon erzählt, wie sehr er schon als Kind, als Jugendlicher in seiner Eifeleinsamkeit die Literatur geliebt, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller verehrt hat. Dass er davon träumte, selbst einmal Bücher zu veröffentlichen. Und dass er bedauerte, wie weit entfernt von der Eifel all diese Literatur entstand, all diese Schriftstellerinnen und Schriftsteller lebten. Selbst wenn sie, wie Clara Viebig, über die Eifel schrieben, lebten sie doch in Berlin. Und die zeitgenössischen erst recht. Sie wohnen am Bodensee, in München, Frankfurt, Köln und Berlin oder in der Schweiz, in Amerika oder Schottland.
Josef Zierden hat seine Kindheitsträume wahr gemacht. Zunächst hat er Bücher geschrieben. Sechs Publikationen sind es inzwischen geworden. Über die Eifel und seine Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Dann über die Literarischen Stätten in der Eifel und darüber hinaus; über die in der Eifel spielenden Kriminalromane und über die in Rheinland-Pfalz spielenden Krimis, über seine Autoren.
Das war aber nur ein erster Schritt. Josef Zierden weiß sehr wohl: Rafik Schami wohnt im pfälzischen Kirchheimbolanden, Martin Walser in Wasserburg am Bodensee, aber die meisten berühmten Autorinnen und Autoren wohnen doch in den Metropolen. Frank Schätzing in Köln, okay, Martin Suter auf Ibiza und Guatemala, klar, aber Imre Kertesz und Herta Müller, die Literaturnobelpreisträger, in Berlin; und viele, viele andere von denen, die bereits in der Eifel lasen, wohnen ebenfalls in Berlin.
Es war Josef Zierdens Wunsch, sie, deren Bücher er kannte und liebte, deren Texte er für sich und vielleicht auch für seine Schülerinnen und Schüler mit fast künstlerischen Anmerkungen und vielfarbigen Kommentaren versah, kennen zu lernen. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, erfand Josef Zierden das Eifel Literatur Festival. Ich war dabei. Wir versuchten von Anfang an, es uns schön zu reden, uns vorzumachen, Josef Zierden würde es den Anderen zuliebe tun. Denn er argumentierte: In der Eifeleinsamkeit leben ebenso viele Literaturkenner, Literaturinteressierte, Literaturfans, ja: Literaturkäufer!! wie anderswo, wie in den großen Städten. Warum sollten die bedeutenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Lesungen dann nicht auch in die Eifel kommen?
Josef Zierdens Interessen gingen in zwei Richtungen: die Eifel als Landschaft und auch als literarische Landschaft nach außen hin bekannt zu machen und zugleich die zeitgenössische Literatur in diese Landschaft hineinzuholen. Sein 2001 erschienener „Literarischer Reiseführer Rheinland-Pfalz“, als Buch, als CD ROM und als interaktiver Internetauftritt erschienen, so schreibt er im Vorwort, „führt hin zu den Autoren und ihren Werken, an die Geburtsorte und Wohnorte der Schriftsteller, an die Schauplätze der Sagen und Geschichten, der Erzählungen und Romane in phantastischer Landschaft.“ „Ein Pionierwerk“ nennt er es selbst – fürwahr, er hat recht. Es war – von Fred Oberhausers vorbildlichem Literarischem Führer durch Deutschland abgesehen – der erste regionale Literarische Reiseführer überhaupt, inzwischen vielfach nachgeahmt.
Zeitgleich war ihm, dem Schaffer, dem Initiator, dem bedeutsamen Beweger auch die andere Richtung wichtig: die der Literatur in die Eifel hinein. Es begann in Prüm und um Prüm herum, es begann mit einem streng terminierten Zeitfenster und weitete sich in jeder Hinsicht aus, qualitativ wie quantitativ, über die Jahre hinweg. Es blieb und bleibt bis heute ein Ein-Mann-Betrieb, wobei ich hier die Familie: Birgit Zierden und die beiden mit dem Festival erwachsen gewordenen Kinder, Johannes und Katharina, für die das Festival ein hochprozentiger Teil ihres Privatlebens seit bald zwei Jahrzehnten wurde, ebenso mit einbeziehe wie die vielen für diesen auch touristischen und kommerziellen Erfolg so wichtigen Sponsoren. Heute finden die Lesungen, die Begegnungen und Gespräche mit den wichtigsten – vor allem deutschsprachigen – Autoren der Gegenwartsliteratur in allen zehn Landkreisen der Eifel statt, grenzüberschreitend in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, „auf Schlössern und Burgen, in Kirchen und Bürgerhäusern, in herrlicher Landschaft, grenznah zu Belgien und Luxemburg“, wie Josef Zierden selbst einmal schrieb. Zuletzt, 2010, waren es 15.000 Besucher in 28 Veranstaltungen an 14 Orten der Eifel. „Ausverkaufte Häuser allerorten, von April bis November“, schreibt er stolz, „aus allen Teilen der Republik“. Und er hat recht, stolz zu sein.
Dennoch ist es erstaunlich, zu beobachten, dass von diesem Literaturfestival eine Wellenbewegung ausgeht, kreisförmig wie bei einem ins Wasser geworfenen Stein, die sich durch die ganze Eifel zieht: Kultur schafft Bewusstsein, schafft Selbstbewusstsein. Die Eifel in der Literatur – und die Literatur in der Eifel: las man Alfred Anderschs Roman „Winterspelt“ zuvor nur als einen großen Roman, so liest man ihn jetzt auch als ein in der Eifel spielendes Buch. Die Erzählungen von Mario Adorf über Kindheit und Jugend in der Eifel: sie sind nicht mehr nur anrührende Literatur eines großen deutschen Schauspielers, vielmehr finden sich die Leserinnen und Leser der Eifel in ihnen wieder. Und weit darüber hinaus: Wellenbewegungen gehen vom Festival aus und führen zu ihm hin. Die Menschen strömen in die Säle, um die Großen der Literatur zu hören und zu sehen. Und sie tragen das Gehörte und Gesehene zurück in die Eifel. Es entsteht ein Heimatgefühl, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, und – was mir hier ganz besonders wichtig ist: es ist ein wahrlich grenzüberschreitendes Selbst-Bewusstsein: diese immer noch touristisch unglaublich anziehende romantische Landschaft ist keine belgische, keine rheinland-pfälzische, keine nordrhein-westfälische – es ist die Eifel-Landschaft. Die Kulturlandschaft Eifel.
Josef Zierden hat sich seinen Traum erfüllt. Über seine ganz privaten Erlebnisse mit den Großen der Literatur könnte er Bände füllen, über die kleinen wie großen Ereignisse, die Peinlichkeiten und Besonderheiten, über absonderliche wie glückhafte Momente. Und ganz nebenbei hat er sich eine Autographensammlung der besonderen Art zugelegt: die vielen ganz persönlichen Briefe, die Dankschreiben und die Anerkennungen all der Großen, von denen manche schon für den Jugendlichen Josef Zierden Große waren, ergänzen mit ihren Originaldokumenten die Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Dass dieses Kulturereignis sich nach und nach unter die bedeutendsten Festivals Deutschlands gemischt hat, registrieren inzwischen alle überregionalen Feuilletons der Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften wie Focus und Stern. Inzwischen kann man es auch im Internetlexikon wikipedia nachlesen: Das Eifel Literatur Festival ist eine ehrenamtlich organisierte Literaturveranstaltung in Rheinland-Pfalz. Es findet alle zwei Jahre im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz statt. Ziel des Festivals ist es, die Eifel zu einer europäischen Literaturbühne zu erheben. Das Festival entspringt einer Privatinitiative des Germanisten Dr. Josef Zierden. 1994 gründete er das Eifel Literatur Festival in Prüm, im kleinen Schalterraum einer Bank, als Begleitprogramm zur Präsentation seines Buchs "Die Eifel in der Literatur".
Voilà! Wie schon eingangs gesagt, Josef Zierden hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Aber, alles, was recht ist: er hat auch uns Träume erfüllt. Mir zum Beispiel die persönliche Begegnung mit der von mir sehr verehrten britischen Schriftstellerin Alison Louise Kennedy anlässlich des ihr 2008 verliehenen Internationalen Eifel-Literatur-Preises. Auch vielen von Ihnen wird er Träume erfüllt haben, allein schon nebenbei durch den enormen touristischen Gewinn, den ein solch großes Festival für die Eifellandschaft bedeutet. Von den vielen Möglichkeiten, Autoren zum Anfassen zu erleben und die interessantesten Literaturtipps zu erhalten, ganz zu schweigen. Insofern nehme ich meine eingangs aufgestellt Behauptung ein wenig zurück: Josef Zierden hat sich doch um die Eifel verdient gemacht. Und so sei er zu recht „gepriesen“.