Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede von Dr. Zierden zu Pater Anselm Grün

16. Oktober 2014 - Eventum Wittlich

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Frühjahr 1973, vor mehr als 40 Jahren, in den barocken Räumen des Regino-Gymnasiums zu Prüm - im Schatten der übergroßen Basilika: Da beugte ich mich  im Rahmen der schriftlichen Abiturprüfung Deutsch über einen Essay von Siegfried Lenz. „Müßiggang oder das aktive Nichtstun“ hieß der Titel. Da sinnierte der große Schriftsteller Siegfried Lenz - vor einer Woche 88 jährig verstorben - da sinnierte der große Schriftsteller Siegfried Lenz über die Produktivität des Müßiggangs, über die Wertschätzung von Muße, Nichtstun, Entschleunigung in der  Antike. Ihr stellte er  die Gegenwart gegenüber: mit ihren Auswüchsen von Arbeitslast und Arbeitswut, von Beschleunigung und Ruhelosigkeit. Mit dem Herzinfarkt als Ritterschlag, als Aufnahmegebühr im Orden der Rastlosen.

An Aktualität haben die Ausführungen von Siegfried Lenz auch mehr als 40 Jahre später nichts verloren. „Keine Zeit!“, „Knappe Zeit“, „Mehr Zeit!“  So heißen aktuelle Bücher zum Thema „Zeit“. Sie spüren dem Paradox nach, dass die Menschen immer länger leben, aber die Zeit als immer knapperes Gut erleben. Dass sie immer mehr zeitsparende Hilfsmittel an die Hand bekommen, aber dass sie dennoch nicht das Gefühl haben, über mehr Zeit zu verfügen. Und schon gibt es eine Kulturgeschichte der Beschleunigung, die mit dem mittelalterlichen Prinzip der Langsamkeit beginnt und mit der heutigen Jagd nach der Nanosekunde endet. Erst recht im pausenlosen Zeittakt elektronischer Medien weltweit, mit dem Gebot ununterbrochener digitaler Erreichbarkeit und des ständigen Multitaskings wachsen Termindruck, Dauerstress und Zeitnot. Immer mehr in immer weniger Zeit zu verrichten, das ist das Gebot der Stunde im allgegenwärtigen Beschleunigungs- und Gleichzeitigkeitswahn.

Womit wir beim Thema des Abends, bei dem Buch des Abends wären: „Herzensruhe. Im Einklang mit sich selber sein“ von Pater Anselm Grün. Da spürt Pater Anselm den Ursachen allgegenwärtiger Ruhelosigkeit nach, den sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Ursachen. Noch mehr sorgt er sich aber um Wege zur Ruhe heute. Damit sind nicht weltlich-praktische Zeitmanagementmethoden gegen den Beschleunigungsfetischismus gemeint.

Anselm Grün geht es letztlich um den inneren Raum der wahren Stille, in dem Gott wohnt, wo Heimat, Ruhe, Geborgenheit herrschen. Wege zur wahren, innerlichen wie äußerlichen Ruhe mitten in der Hektik unserer Zeit weist er auf den Spuren der monastischen und spirituellen Tradition, auf den Spuren der frühen Mönche und der geistlichen Väter mit  Beispielen aus seinem klösterlichen Alltag im Benediktinerkloster Münsterschwarzach bei Würzburg.

Nehmen wir uns heute Abend Zeit, die Ruhe in Gott zu finden, Zeit und Ewigkeit im Augenblick zusammenfallen zu lassen.
Mit Pater Anselm Grün, der schon bei der Festivaleröffnung im April mehr Menschen angezogen hat als die populären Musikgruppen wie BAP und „De Höhner“ zusammen, bei ihren Frühjahrsgastspielen in der Eifel.

Herzlich willkommen beim Eifel-Literatur-Festival 2014, herzlich willkommen Deutschlands erfolgreichster christlicher Autor der Gegenwart, der mit den Eifeler Wurzeln - herzlich willkommen Pater Anselm Grün.