Tom Buhrow und Sabine Stamer am 5. September 2008 in Gerolstein

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es wird Geschichte geschrieben im Amerika dieser Tage:

- mit der ersten Nominierung eines Schwarzen als Kandidaten für eine Präsidentenwahl, bei den Demokraten in der letzten Woche;

- mit der Nominierung der vielleicht ersten Vizepräsidentin in der Geschichte der USA, bei den Republikanern in dieser Woche.

Überhaupt mit grandios inszenierten Parteitags-Shows am Ende eines historischen Wettlaufs um die Macht im Weißen Haus und um das künftige politische Gewicht Amerikas in der Welt.
Nicht immer ohne stürmische Wirbel, womit ich nicht nur den Hurrikan „Gustav“ meine.

Innenansichten von Amerika,
- die Erfahrungen und Erlebnisse nicht nur mit dem offiziellen, sondern auch mit dem privaten Amerika,
- mit seinen Besonderheiten und Skurrilitäten, mit seinen Kontrasten und Widersprüchen -
solche Innenansichten können in diesen amerikabewegten Tagen besonders hilfreich sein.
Um - gerade in Zeiten George W. Bushs und seiner unpopulären Politik - unser Amerikabild zu differenzieren, aus allererster Hand.

Denn Tom Buhrow und Sabine Stamer: sie haben mehr als zehn Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt. Von 1994 bis 2006 war Tom Buhrow USA-Korrespondent der ARD, unterbrochen nur von zwei Jahren Berichterstattung aus Paris.
Sie haben in Washington gelebt und in der Weite des Landes das weite Spektrum ihrer Aspekte und Themen erfahren und notiert.

In Amerika haben sie - mit immer neuen gewöhnungsbedürftigen Überraschungen
- ihre Wohnungen gesucht,
- ihre Autos gekauft,
- ihre Töchter eingeschult,
- sich mit Handwerkern herumgeschlagen,
- mit Freunden Thanksgiving gefeiert und eines nie verlernt: sich über den „American Way of Life“ zu freuen.

- Auch wenn die Straße, in der man lebt, zerrissen wird zwischen Idylle und Bandenkrieg;
- auch wenn der Autokauf zum zermürbenden Spießrutenlauf wird mit immer neu befürchteten bösen Tricks;
- auch wenn zwei dilettantisch zugegipste und notdürftig mit Kleenex-Papiertaschentücher zugestopfte Löcher in der Decke noch Jahre später daran erinnern, dass Handwerksberufe in Amerika nicht unbedingt Ausbildungsberufe sind, dass man hier keinen Beruf und keine Arbeitsstelle fürs Leben wählt.

Amerika als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber immer auch als Land der unbegrenzten Widersprüche, wo es zu jeder Wahrheit immer auch schon das Gegenteil gibt: selten hat man dieses Amerika so intelligent, so amüsant und so aufschlussreich beschrieben gefunden wie in diesem Buch von Tom Buhrow und Sabine Stamer, urteilte hymnisch die „Süddeutsche Zeitung“ und lobte die liebevoll-ironische Distanz des Autorenpaars, die hier die Feder geführt habe, ihre kritische Freundschaft.

Die kritische Freundschaft des Autorenpaars, das uns ja - reizvoll gleich mehrfach - als gemischtes Doppel entgegentritt, mit betont persönlichen und zum Teil spannungsvoll gegensätzlichen Einschätzungen, etwa zu Las Vegas:
- ein Sündenpfuhl für Tom Buhrow, der das Wüstenwunder schon 1976 kennengelernt hat, als Austauschschüler per Anhalter unterwegs.
- Für Sabine Stamer hingegen war die Glitzermetropole „Liebe auf den ersten Blick“.

Und während wir uns so den Weiten Amerikas nähern, wollen wir nicht vergessen, dass Tom Buhrow eigentlich unweit der Eifel seine ersten journalistischen Schritte gemacht hat:
Wie ja die schönsten journalistischen Karrieren nicht selten beim Lokaljournalismus anfangen, so hat auch Tom Buhrow sein Handwerk in Siegburg gelernt, in der dortigen Dependance des Bonner General-Anzeigers.
Übrigens nach einem Studium der Geschichte, der Politischen Wissenschaften und der Rheinischen Landeskunde in Bonn. Von Siegburg ist es nicht weit nach Köln: Dort, beim WDR, ging es weiter für ihn: Volontariat, Reporter, Redakteur und schließlich Chef vom Dienst bei der Aktuellen Stunde und bei West 3 aktuell. 1992 als Reporter im US-Wahlkampf eingesetzt, schafft er 1994 den Sprung als Korrespondent ins ARD-Studio Washington.

Seit September 2006 ist Tom Buhrow der neue „Mr. Tagesthemen“, der Mann, der Abend für Abend die Tagesthemen in die Haushalte trägt, unaufgeregt, präzise und immer sympathisch.
Ein fröhlicher Rheinländer in Hamburg, der dort nun die wichtigste Nachrichtensendung der ARD moderiert - die höchste Weihe im deutschen Fernsehjournalismus.

Und Sabine Stamer: Sie war freie Journalistin in Hamburg und Rom, dann mehrere Jahre WDR-Redakteurin, u.a. bei „Monitor“ und „Tagesschau“. Von 1994 bis 2006 arbeitete sie als Autorin in den USA und in Paris. Sie ist unter anderem Biografin von Inge Meysel und Daniel Cohn-Bendit.

„Schenken Sie uns eine Lebensweisheit...“ forderte Focus im vergangenen Jahr einmal Tom Buhrow auf. Seine Antwort war: „Wir sind alle auf der Durchreise.“

In einem sehr, sehr vordergründigen Sinne sind sie das heute Abend auch. In seinem sehr, sehr herzlichen Sinne heiße ich sie heute Abend willkommen in einem Landstrich, aus dem im 19. Jahrhundert so viele Landsleute nach Amerika ausgewandert sind, um der nackten Not zu entrinnen.

Herzlich willkommen in der Vulkaneifel, herzlich willkommen beim 8. Eifel-Literatur-Festival - Sabine Stamer und Tom Buhrow!
 

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