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Einführungsrede Dr. Josef Zierden zu Tom Buhrow und Sabine Stamer

Prüm, 15. September 2012

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

eines der letzten Worte im aktuellen Buch von Tom Buhrow und Sabine Stamer heißt „Spaß“.

Es steht im letzten Kapitel des Buchs „Mein Deutschland - dein Deutschland“, das von deutschen Befindlichkeiten handelt.
Nicht zuletzt von der Ernsthaftigkeit der Deutschen, von ihrer Lust an Niedergang und Katastrophen, die allzu gerne übersieht, wie weit es dieses Land doch eigentlich gebracht hat.

„Spaß“ ist da ein unvermutetes Wort, wenn es um die harte Aufbauleistung der Deutschen nach 1945 geht oder um die großen Herausforderungen der Zukunft.

Und doch ist es auch wieder folgerichtig, von „Spaß“ zu reden. Geht es doch hier um die Befriedigung, die man verspürt, wenn man sich auch aus Löchern und Tiefs herauszuarbeitet, wenn man die eigenen Kräfte zu entdeckt und scheinbar Unmögliches zu schafft.

Das alles könne man stemmen, genau wie die Eltern und Großeltern nach 1945, sagen Buhrow und Stamer - wenn man mit Lust arbeite und mit Lust genieße. Dann machten auch große Anstrengungen Spaß.

Das Wort „Spaß“ als Ermunterung an die Deutschen, die großen Herausforderungen der Zukunft anzupacken, steht also am Ende dieses Buches.

Am Ende einer großen Reportagen-Reise durch Deutschland: durch den Dschungel des Immobilienmarkts, durch das „Schlaraffenland der Schnäppchenjäger“ oder an Brennpunkte der früheren Zonengrenze. Hinein in den Alltag deutscher Schulen, hinein in aktuelle Familienwelten, hinein in den Alltag von Arbeitssuchenden.

Erhellend ist immer der internationale Erfahrungshorizont von Buhrow und Stamer: die Möglichkeit zu Vergleichen deutscher Alltagserfahrungen mit dem Alltag in Amerika und Frankreich, ob beim Kindergarten, beim Schulwesen oder in der Einwanderungsfrage.

Erhellend ist auch und immer wieder die historische Tiefenperspektive beim Blick auf Deutschland, die Einbeziehung der eigenen Lebensgeschichte und der Lebensgeschichten der Eltern und Großeltern.
Erhellend ist aber vor allem der spannungsvoll-gegensätzliche Doppelblick auf Deutschland: mit den Augen eines Mannes, eines Vaters, eines weltgereisten ARD-Journalisten, aus dem Rheinland stammend - und mit den Augen einer Frau, einer Mutter, aus dem östlichen Westdeutschland stammend, freie Autorin und einige Jahre Redakteurin beim WDR.
Diese mehrfache Perspektive - international, historisch, persönlich - sie schärft den Blick auf das Deutschland der Gegenwart, in das Buhrow und Stamer wieder eintauchen nach ihrer Rückkehr aus den USA im Jahr des Deutschen Sommermärchens 2006.

Auch wenn sie „das meiste ziemlich prima“ finden und die eigene Unzufriedenheit mit Deutschland zuweilen als typisch deutsch relativieren: Beide, Buhrow und Stamer, legen immer wieder die Finger in deutsche Wunden. Ob es um den „Glückskiller Schule“ geht oder um gemeinnütziges Elternengagement, das noch nichts von den Begehrlichkeiten eines deutschen Finanzamtes weiß. Ob Sie uns Deutschland als Traumland für Tellerwäscherkarrieren präsentieren oder als „Absurdistan“ für Einwanderer, die hier Heimat und Arbeit suchen.

„Spaß“ - das war das erste zitierte Wort in dieser kurzen Einführung. Dann mag es auch das letzte Wort sein. Denn „Spaß“ macht sie, diese Buchreise durch Deutschland, mit den Augen, mit der Feder von Tom Buhrow und Sabine Stamer.
Spaß macht sie - diese kritische Liebeserklärung an Deutschland, das sie „unser kompliziertes, oft zerstrittenes, wunderschönes Heimatland“ nennen. 

Herzlich willkommen beim 10. Eifel-Literatur-Festival,
herzlich willkommen in der Aula der Ex-Wandalbert-Hauptschule zu Prüm: das temperamentvolle Journalistenehepaar mit dem anregenden Doppelblick auf Deutschland - Tom Buhrow und Sabine Stamer. Viel Spaß!