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Christoph Ransmayr am 06.06.2008 in Bitburg
Einführung von Dr. Josef Zierden, Eifel Literatur Festival
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
eben noch ein „Geheimtipp“, dann schon „ein Logenplatz in der deutschen Literatur“.
Als Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“ erschien, vor genau 20 Jahren, da wurde der Roman ein spektakulärer Erfolg - bei der Kritik wie beim Publikum. Bei der Kritik, die es zum „Buch der Saison“ ausrief und jubelte. Beim Publikum, bei den Lesern, die es stürmisch kauften und begierig lasen.
Rund 150.000 Exemplare waren in wenigen Monaten verkauft, fast zwei Jahre lang hielt er sich auf den Bestsellerlisten. Bis heute ist er in fast 30 Sprachen übersetzt.
Der Roman um die Suche des römischen Bürgers Cotta nach dem verbannten Dichter Ovid und seinem Hauptwerk, den „Metamorphosen“, „Verwandlungen“ also, in den Jahren 1 bis 8 n.Chr. entstanden. Eine Suche, die bis ans Ende der damals bekannten Welt führt, bis nach Tomi am Schwarzen Meer. Die literarischen Hauptgestalten in Ransmayrs Werk:
sie sind immerzu auf der Suche, sind immerzu unterwegs an die entlegensten Enden der Welt, in ferne Einsamkeiten, zu den letzten weißen Flecken der Weltkarte - ob Wüste oder Eismeer oder Bergriesen im Himalaya im Osten Tibets, wie in seinem jüngsten Roman „Der fliegende Berg“.
„Ende der Welt“: das ist räumlich gemeint - aber immer auch zeitlich: wenn sich Welten verwandeln, verfallen, auflösen, wenn Menschen verschwinden, herausfallen aus Zeit und Raum, verloren gehen. Suchende, Abenteurer, Entdecker: gescheitert, verschollen, dahin. Welten im Wandel, Welten in Auflösung, im Verfall - Endzeitvisionen, Untergangsvisionen, nachdem im Vexierspiel der Zeiten Vergangenheit und Gegenwart kräftig durcheinandergewirbelt worden sind.
Irgendwann einmal Welten ohne Menschen, die angebliche Krone der Schöpfung. Von Ransmayr eher skeptisch gesehen - mit Warnungen vor den menschheitsvernichtenden Folgen des Fortschritts, der Technik, der Wissenschaften. Schöne menschenleere Welt.
Nicht nur literarisch gilt Ransmayer als „der große Wanderer der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, wie Volker Weidermann in seiner Literaturgeschichte „Lichtjahre“ schreibt. Dreiviertel eines jeden Jahres verbringe Ransmayr mit seinem Freund Reinhold Messner, aber oft auch alleine in einsamen Regionen. Auch der Schriftsteller Ransmayr verschwinde gerne, ziehe sich gerne zurück aus dem Getriebe der Welt und des Literaturbetriebs, schrieb „Spiegel“-Literaturchef Volker Hage über Ransmayr. Eigentlich seien ihm öffentliche Auftritte ein Greuel.
Umso mehr freuen wir uns, dass wir ihn heute beim 8. Eifel-Literatur-Festival 2008 begrüßen können - im Festsaal von Haus Beda in Bitburg. Herzlich willkommen: einer der bedeutendsten, sprachmächtigsten und bildkräftigsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur - herzlich willkommen: Christoph Ransmayr.


