Von April bis Oktober 2016

Felicitas Hoppe am 3. Mai 2016 in Bitburg

Einführungsrede von Dr. Josef Zierden

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Die schönste und intelligenteste Prosa Deutschlands schreibt Felicitas Hoppe.“ Denis Scheck, ARD „Druckfrisch“. - Ein apodiktischer Satz ist das, von Superlativen gekrönt. Ein Satz, der keinen Widerspruch duldet.

So hebt man eine Autorin auf den literarischen Olymp und entrückt sie dem normalen Leser um Lichtjahre, lobend, preisend, aber immer auch ein wenig abschreckend.

Dr. Zierden bei der Einführungsrede zu Felicitas HoppeWer solche Hymnen auf eine Autorin liest und noch weitere Superlative wie „eine der klügsten und einfallsreichsten Schriftstellerinnen der Gegenwart“ (taz).

Wer dann noch die fast inflationäre Fülle von Gastprofessuren und Poetikdozenturen, von Stipendien und hochkarätigen Literaturpreisen für Felicitas Hoppe zur Kenntnis nimmt - wer sollte da nicht eingeschüchtert sein vom Renommee dieser Autorin.

Wer sollte da nicht ein wenig Hemmung verspüren, sich einer Erzählerin von solch gewaltiger Sprachkraft und solch gewaltiger Einbildungskraft zu nähern, Auge in Auge im Festsaal von Haus Beda.

Da lobe ich mir in diesen Tagen den Volksfreund-Redakteur Fritz-Peter Linden, der leidenschaftlich dafür trommelte, dass sich niemand abschrecken lassen müsse, wenn Felicitas Hoppe beim Eifel-Literatur-Festival vorbeischaue und vor allem aus ihrem Roman „Hoppe“ vorlesen werde.

Gut getrommelt, lieber Pressemann, gute Brücken gebaut zu einem Fest der Poesie im Festsaal von Haus Beda.

Die Autorin Hoppe, die Erzählerin Hoppe, die Hauptfigur Hoppe - in dem erwähnten Roman „Hoppe“ von 2012 treibt Felicitas Hoppe gleich dreifach ein phantasievolles Spiel mit ihrer eigenen Biographie.

Da verweist sie ins Reich der Legende, was eigentlich biographisch gesicherte Fakten sind. Dass sie etwa 1960 als drittes von fünf Kindern in der „Rattenfängerstadt“ Hameln an der Weser geboren sei. Und sie gibt als belegbare Fakten aus, was reine Erfindung ist. So erfindet sie sich eine Kindheit in Kanada als Eishockey spielendes Einzelkind. Sie erfindet sich eine Jugend in Australien, als Musikstudentin und hochbegabte Dirigentin. Und sie rechnet sich, zusammen mit dem größten Eishockeyspieler aller Zeiten, dem Kanadier Wayne Gretzky, und dem großen Bach-Pianisten, dem Kanadier Glenn Gould, mal eben zu den „drei besten der besten“: als erfindungsreiche Erzählerin. Felicitas Hoppe und der Größenwahn?

Hoppes beständiges Imaginieren von Gegenwelten, von Phantasiewelten, von Traumwelten lässt auch diese literarische Selbstkrönung zu.

Eine Traumbiographie ist der Roman „Hoppe“, eine „Neuerfindung des eigenen Lebens als Roman“ (taz). Er treibt auf die Spitze, was seit dem Erzähldebüt von 1996 mit „Picknick der Friseure“ als typisch gilt für das poetische Werk von Felicitas Hoppe.

Da geht es nicht um ein plumpe Abbildung vordergründiger Wirklichkeiten, vielleicht sogar mit politischen oder gesellschaftsverändernden Impulsen, wie sie in der Umbruchszeit der Wendejahre in Deutschland und Europa an der Tagesordnung gewesen ist.

Den „großen Wenderoman“ hätte man von Felicitas Hoppe niemals erwarten dürfen.

Wohl aber Texte, die - wie die SZ es einmal formuliert hat - einen „Teppich aus Traum, Fantasie und Realitätspartikeln“ weben.

Triumphzüge der Phantasie. Entführungen in literarische Wunderwelten. Immer neue Spiele mit Identitäten.

Spiele mit Wahrheit und Fiktion.

Bei einer Autorin, die den märchenhaft-phantastischen Pinocchio zu ihren Lieblingsfiguren zählt.

Dass Reisen und Abenteuer, Aufbruch und Heimkehr zu den Leidenschaften der Felicitas Hoppe zählen, haben wir schon in der Festivalbroschüre geschrieben, die im November 2015 erschienen ist.

Mag sie mit einem Containerfrachtschiff die Erde umrundet haben, mag sie sich - in „Hoppe“ - in Kanada, in Australien oder in den USA aufgehalten haben - die Eifel hat weder die reale Hoppe noch die fiktive je gesehen. Die Eifel sei für sie immer noch ein geheimnisvoller Flecken, hat sie in einem Volksfreund-Interview mit Fritz-Peter Linden geäußert. Ein geheimnisvoller Flecken also - das könnte einmal neue Fabulierlust entzünden. Wie im Roman „Paradiese, Übersee“ die luxemburgischen Ardennen, die Gegend um Wilwerwiltz und Echternach, wo sich ein kleines „Echternachzimmer“ unter dem Dach als wahres Paradies erweist.

Die Eifel, Bitburg - das liegt in der geographischen Realität nur unweit romantisierter Orte wie Wilwerwiltz und Echternach, wo eine stürmische finale Floßfahrt von Bombay an die Mosel endet.

Herzlich willkommen bei dem 12. Eifel-Literatur-Festival 2016, herzlich willkommen im Festsaal von Haus Beda zu Bitburg: die virtuose Erzählerin Felicitas Hoppe.