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Susanne Fröhlich am 29.08.2008 in Daun
Einführung von Dr. Josef Zierden
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Post aus der Problemzone, Briefe an die Körperteile:
„Liebe Hüftknochen, seit Jahren haben wir uns nicht gesehen. Unter Bergen von Speck haltet ihr euch geschickter verborgen als der tasmanische Wolf in den Weiten Australiens, und fast könnte man glauben, dass ihr wie das scheue Tier längst ausgestorben seid.“ -
„Liebe Oberschenkel, seid ihr siamesische Zwillinge? Oder was soll das ständige Zusammenkleben? Wisst ihr nicht, dass zu viel Nähe für eine wirklich gute Beziehung ziemlich schädlich ist. Denkt doch mal an Thomas Anders und Nora oder Naddel und Dieter- auch sie waren wie zwei dicke Oberschenkel und sprechen heute heute bloß über ihr Anwälte miteinander. So weit wollt ihr es doch nicht kommen lassen?“
Zitate aus dem „lustigsten Abnehmbuch der Welt“, so BILD über Susanne Fröhlichs Mega-Bestseller „Moppel-Ich. Der Kampf mit den Pfunden“.
Ein lustiges Abnehmbuch?
Das scheint wie ein Widerspruch in sich in Zeiten, in denen man mit dem Kauf von Diätbüchern mehr Geld verbrennt als Kalorien.
In denen, wie Susanne Fröhlich schreibt, Schlankheitsbücher auf die Figur die gleiche Wirkung haben wie Wärme auf Hefeteig.
Und wenn etwas abnimmt, dann ist es allenfalls das Interesse am Abnehmen - und das zunehmend.
Da muss es erst einmal gelingen, über etwas so Grauenvolles und Stressiges wie „Diät“ lustig zu schreiben. Hunderttausende von Lesern zu gewinnen, die eigentlich längst schon - wie Susanne Fröhlich schreibt - ihre Waage zur Adoption freigegeben haben.
„Moppel-Ich. Der Kampf mit den Pfunden“ als Mega-Bestseller des Jahres 2004: ein solcher Erfolg gelingt nur, wenn der Name der Autorin zum Programm wird: Fröhlich den Pfunden Kampf ansagen, gelassen und heiter, mit viel Selbstironie.
- Das ist ein Pfund, mit dem man beim Schreiben wie man beim Abnehmen wuchern kann.
- Da wird die Lektüre zu einer Pfundsgaudi, beim Sachbuch wie beim Roman.
- Da bekommt jeder sein Fett weg - und sei es durch ironische Seitenhiebe!
Sein Fett weg bekommt immer wieder der Mann, in Kultbüchern wie „Jeder Fisch ist schön - wenn er an der Angel hängt“ oder „F(r)ischhalteabkommen. Länger Freude am Mann“.
Um das Mysterium Mann geht es da - und wie es Frauen gelingt, Männer zu angeln, sie an der Schnur und dennoch frisch zu halten, ohne sich dabei an Gräten wie Haushaltsscheu oder Bindungsunwilligkeit zu verschlucken.
Immer wieder wird so der Mann zum Dreh- und, wörtlich wie bildlich, zum Angelpunkt im Leben der weiblichen Singles wie der Ehefrauen, Hausfrauen und Mütter.
Um die „Herausforderungen des Baggerns, Balzens und Bandelns“ geht es da ebenso wie um die Kunst, „in öden wie in faden Tagen“ der Ehe den geangelten Fisch frisch zu halten:
- wenn der geköderte Fisch „vom Aufputsch- zum Narkosemittel“ mutiert,
- wenn die 1001. Nacht der Ehe alles Andere als ein Märchen ist...
Das Jojo des Ehealltags gewissermaßen,
- das ewige Auf und Ab,
- gemeinsam durch dick und dünn.
Davon erzählt Susanne Fröhlich witzig, frech und schlagfertig in den bislang fünf Bestseller-Romanen rund um Andrea Schnidt, von „Frisch gepresst“ und „Frisch gemacht“ über „Familienpackung“ und „Treuepunkte“ bis „Lieblingsstücke“, kürzlich erst erschienen.
Wir erleben und erleiden mit ihr fünf Tage Wochenbett als die absurdeste Zeit ihres Lebens, mit Männern, die Vater werden wollen und sich als eine Kreuzung aus Heinz Schenk und Heiner Lauterbach entpuppen.
Wir tauchen mit ihr ein in den Wahnsinn der Alltags-Übermuttis, des Alltags im Reihenmittelhaus zwischen geliebten kleinen Monstern und verständnislosen Chefs, zwischen Still-Liga, Windpocken und Sexbeichten.
Wir begleiten Andrea Schnidts Aufbruchs ins wilde Leben: wie sie sich losreißen möchte
- aus dem Reihenhaussumpf,
- aus dem ereignislosen Einerlei ausgehungerter Kleinstadt-Hausfrauen,
- denen der Stromableser der Stadtwerke zum erotischen Ereignis der Woche wird.
Wir sind dabei, wenn Andrea Schnidt versucht, die drei großen K.s - Kinder, Küche, Karriere - mit den drei großen S - Spaß, Spitzenfigur und Supersex - unter einen Hut zu bringen.
Die Reihenhauswelt, da ist - rein äußerlich - auch Susanne Fröhlich zuhause.
Ein weißes Doppelreihenhaus im Hintertaunus, direkt neben einer Waldlichtung, mit einer Armee von Gummistiefeln vor der Tür, so nochmals „Bild“.
Von diesem Doppelreihenhaus aus ist sie heute aufgebrochen in die Eifel. Auch ein kleiner Aufbruch - nicht ins wilde Leben, nicht in einen wilden Landstrich. Immerhin ins Land des Lesens, zum Eifel-Literatur-Festival.
Da machen wir doch glatt den Titel ihrer Literatursendung im MDR zum Titel des heutigen Abends: „Fröhlich lesen“!
Herzlich willkommen beim 8. Eifel-Literatur-Festival, herzlich willkommen im Forum Daun in der Vulkaneifel: Susanne Fröhlich.


