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Einführungsrede Jan Weiler am 24.10.2008 in Wittlich
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die aktuelle Nachricht zuerst:
Am Montag dieser Woche haben die Dreharbeiten zur Verfilmung von Jan Weilers Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ begonnen. Gedreht wird die ZDF-Kino-Koproduktion voraussichtlich bis zum 3. Dezember 2008, in München, Krefeld und in Apulien.
Der Film zum Erfolgsroman, der sich schon 1, 5 Mio. Mal verkauft hat: das ist eine weitere Stufe einer großen Erfolgsgeschichte.
Gilt doch „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ als das erfolgreichste Romandebüt der letzten 20 Jahre in Deutschland.
Jene fröhliche Liebeserklärung an die feierfreudige italienische Großfamilie, in die Jan Weiler 1996 eingeheiratet hat. Die stammt aus Campobasso, Hauptstadt der wenig bekannten Region Molise, etwa 250 Kilometer südöstlich von Rom in den Bergen gelegen. „In culo al mondo“, oder, wie Jacques Berndorf liebevoll über die Eifel zu sagen pflegt: „am A...sch der Welt“.
Der Schwiegervater ist hier zuhause, Antonio Marcipane, der südländische, temperamentvoll-anarchische Patriarch, anstrengend zuweilen, für manche wunderlich.
Der redet ohne Unterbrechung, wenn er gut gelaunt ist, und gut gelaunt ist er eigentlich immer.
„Eine Windmaschine“, so seine Tochter Sara, „die aber nicht nur Luft bewege, sondern auch Herzen“.
Antonio wirkt ansteckend lustig schon wegen seines Trappatoni-Deutschs („Schwörren Sie, dasse Sie immer lieb sind zu meiner Schnucke“ - „Dasse muss gefeierte werde“).
Dabei war seine Lebensgeschichte als Gastarbeiter der ersten Stunde in Deutschland oft alles andere als lustig. Weil immer auch geprägt von Ausländerfeindlichkeit im Deutschland der 60er Jahre, von ignoranten Nachbarn, Vermietern und Kollegen, von der Schande, die über seine Frau kam, weil sie - als Deutsche - es wagte, einen Italiener zu heiraten.
So spricht aus Antonio, wie es einmal bei Radio Bremen hieß, immer auch „die Heimatlosigkeit, die vor allem die kennen, denen ihre Herkunft fremd geworden ist, die aber in ihrem zweiten Zuhause immer Fremde bleiben werden. Und der Erzähler versteht, dass Antonio seine permanente Fröhlichkeit als Überlebenshilfe braucht“.
Gleichwohl: Italien pur, Geschichten aus dem richtigen italienischen Leben, amüsant, witzig und unterhaltsam, von vielen Lesern in Rekordzeit verschlungen.
Ebenso wie die Fortsetzung „Antonio im Wunderland“.
Da hat der großsprecherische und warmherzige Antonio längst schon so viel Vertrauen zu seinem deutschen Schwiegersohn gefasst - schließlich ist der „keine dumme Salat“- dass beide zu einer Traumreise nach Amerika aufbrechen. Die, nicht erst in den Straßenschluchten New Yorks, immer wieder zum Alptraum wird.
Denn Antonio beherrscht außer „No“ („brauchi ich nichte lernen, der Wort kanni schon“) nur ein Wort Englisch: „Yes“. Diese Vokabel wendet er schon beim Ausfüllen des Einreiseformulars ausgiebig an:
„Waren sie in terroristische Aktivitäten verwickelt? Yes. Haben sie eine ansteckende Krankheit? Yes. Schon als Straftäter aufgefallen? Yes.“
Das ist mindestens so verhängnisvoll und folgenreich wie der Versuch, ein in Alufolie verpacktes Leberwurst-Brot in die USA zu schmuggeln. Verhaftung am Flughafen, Leibesvisitation, Chaos!
Weitere Abenteuer aus der Italo-Sippe - witzig, komisch, pastaprall: der Bucherfolg wäre wohl weiterhin vorprogrammiert.
Doch mit seinem aktuellen Roman „Drachensaat“ hat Weiler „fertig mit Antonios unwiderstehlichem Trappatoni-Deutsch“, wie der „Stern“ geschrieben hat. Weiler möchte Neues wagen, sich künstlerisch weiterentwickeln. Das Schreibergebnis ist sein jüngster Roman „Drachensaat“, erschienen am 29. August.
Wir dürfen gespannt sein. Verraten sei immerhin: Antonios bester Freund Benno Tiggelkamp taucht auf , Ruhrpottkumpel mit stereotypen Sätzen wie: „Jaa, so is’ dat“ oder auch: „Wat will’se machen? Kansse nix machen.“
Herzlich willkommen beim 8. Eifel-Literatur-Festival 2008, in der Aula des Cusanus-Gymnasiums Wittlich: der schreibende Schwiegersohn des legendären Antonio Marcipane, der über ihn urteilte: „Bini sehr zufrieden. Biste ein ordentlicher Charakter.“
Herzlich willkommen Jan Weiler.


