Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede Dr. Josef Zierden zu Marietta Slomka

Daun, Forum, 14. September 2012

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngongberge“.

Mit diesem Satz, einem der schönsten und berühmtesten der Weltliteratur, beginnt der autobiographische Roman „Afrika, dunkel lockende Welt“ der dänischen Schriftstellerin Tania Blixen. Mit diesem Satz beginnt auch die weltberühmte Verfilmung „Jenseits von Afrika“ aus dem Jahre 1985, mit Merryl Streep, mit Robert Redford und Klaus Maria Brandauer in den Hauptrollen.

So wenig Buch und Film miteinander gemein haben - sie sind doch geeignet, uns in den Bann Afrikas zu ziehen. Gilt doch der wehmütig-melancholische Roman über das Leben der Schriftstellerin auf einer kenianischen Kaffeefarm als eines der poetischsten Bücher über das afrikanische Hochland. Das freilich immer in der Gefahr steht, Afrika zu einem verlorenen Paradies zu stilisieren, zu einem Ort exotischer Schönheit, „zu einem Ort der ursprünglichen Einheit von Mensch und Natur“ (Kindlers Literatur Lexikon). Im Kinofilm noch verstärkt zu einer exotischen Hochglanzwelt aus alten Kolonialtagen.

Zeitensprung und Sprung in die Realität: Dezember 1989 - meine Landung in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, dem ostafrikanischen Partnerland von Rheinland-Pfalz. Landung in Kigali, Landung auf dem Boden der Realitäten - jenseits aller Verklärungen von Afrika. Ist doch Ruanda eines der ärmsten Länder der Welt und, auch fünf Jahre vor dem Bürgerkrieg und dem Völkermord des Jahres 1994, gezeichnet von ethnischen Spannungen, von Machtkämpfen, von Überbevölkerung, von Hunger und Armut.

Afrika zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen exotischen Sehnsuchtsbildern und Elendsszenarien.
Zwischen diesen Extremen sucht Marietta Slomka das „Afrika der Mitte“, das andere Afrika, das neue Afrika - jenseits aller Klischees. Ein Afrika im Aufbruch und Umbruch. Mit Powerfrauen und Powermännern. Mit bedrohten Paradiesen und magischen Erlebnissen, aber auch mit Militärdiktaturen, blutigen Kriegen, mit Unterdrückung und Ausbeutung.
Für die ZDF-Dokumentation „Afrikas Schätze“ hat Marietta Slomka den Kontinent bereist, von Ostafrika bis nach Südwestafrika, von Ruanda über Kenia bis Angola. Unterwegs mit einem ganz persönlichen, subjektiven Blick. Mit viel Empathie für einen geschundenen Kontinent - und zugleich mit kritischer Distanz, mit immer neuen Blicken hinter die Fassaden. Und immer wieder mit der Frage, die sich der neugierigen ZDF-Journalistin wie der studierten Volkswirtschafterin gleichermaßen aufdrängt: Afrika  - warum ist es „so reich und zugleich so arm“.
Herzlich willkommen beim 10. Eifel-Literatur-Festival 2012,
herzlich willkommen im Forum Daun -

die Frontfrau und „Anchorwoman“ des ZDF-Flaggschiffs „heute journal“ mit ihrem ganz persönlichen „afrikanischen Tagebuch“, herzlich willkommen Marietta Slomka.