Einführungsrede zu Martin Winterhoff am 8. Juni 2010 in Bitburg

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Kinder an die Macht!“ So heißt ein bekanntes Lied von Herbert Grönemeyer aus dem Jahre 1986. Eine Hymne auf kindliches Chaos, auf kindliche Anarchie, auf Kinder, die keine Rechte kennen und keine Pflichten. Und denen man gerade deshalb das Kommando übergeben sollte.
In den Ohren des Bonner Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff klingen diese Liedzeilen wahrscheinlich wie eine Katastrophe. Denn was Grönemeyer hymnisch feiert, sind für Winterhoff Alarmzeichen, denen er in seiner mehr als 20 jährigen Praxis als Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie allzu oft begegnet:
Kinder außer Rand und Band, Zehnjährige, für die Respekt vor Eltern und Lehrern ein Fremdwort ist. Jugendliche mit so vielfältigen Störungen, dass sie Anlass geben zu großer Sorge um die Beziehungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit unserer Kinder, ja um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.
„Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ heißt der erste Band der Bestseller-Trilogie, die seit 2008 in rascher jährlicher Folge erschienen ist. Die immense Verbreitung der Bücher - Band 1 hat alleine schon eine Auflage von rund 500.000 Exemplaren - die immense Verbreitung der Bücher und die starke Diskussion der Winterhoffschen Thesen bis in populäre Fernsehtalkshows hinein zeigten:

  • hier hat jemand den Nerv der Zeit getroffen;
  • hier hat jemand nicht einfach die Flut pädagogischer Ratgeber um ein neues Buch vermehrt,
  • sondern hier hat jemand mit einem neuen Ansatz: „fehlende psychische Reife der Kinder und Jugendlichen, ihre Ursachen und Folgen“ - mit diesem entwicklungspsychologisch orientierten Ansatz und drastischen Zuspitzungen dazu wirkungsvoll wachgerüttelt.

Anders gesagt, mit seiner Forderung: Kinder nicht als kleine Erwachsene anzusehen, sondern endlich wieder als Kinder.
Und mit der Einsicht: dass diesen Kindern geholfen werden kann, aber nicht über pädagogische Konzepte.

Eine Analyse aus kinderpsychiatrischer und tiefenpsychologischer Sicht, die in einer Zeit fernsehpopulärer Super-Nannies und pädagogischer Streitschriften wie Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“, in einer Zeit der Pisa-Hysterie rasch missverstanden werden konnte:

  • als Rückkehr zu autoritären Erziehungsmethoden,
  • als Rückkehr zu einer Art Gehorsamspädagogik,

weil die Kinder den Erwachsenen auf der Nase herumtanzen, in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, im Heim.

Dass dem nicht so ist, hat Dr. Winterhoff in etlichen Interviews und direkten Streitgesprächen hinreichend geklärt. Aber auch, dass er so manches pädagogische Konzept etwa in Kindergärten und Grundschulen oder überhaupt den Aktionismus und Veränderungswahn in Zeiten der Pisa-Hysterie infragestellt.

Umso besser, dass wir ihn heute selber zu Gast haben:

  • um aus seiner fachlichen Sicht alarmierende Zustände zu beschreiben, die alle angehen, denen unsere Kinder und die Zukunft unserer Gesellschaft am Herzen liegt,
  • um Hintergründe zu analysieren und schließlich
  • Auswege zu zeigen.
  • Und für Fragen und Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Herzlich willkommen beim Eifel-Literatur-Festival 2010 im Festsaal von Haus Beda zu Bitburg - herzlich willkommen Dr. Michael Winterhoff.

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