Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede Dr. Josef Zierden zu Matthias Matussek

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„hier stehe ich, ich kann nicht anders!“
So könnte man die Standfestigkeit des Katholiken Matthias Matussek sentenzartig zusammenfassen - wenn, ja wenn das nicht ein weltberühmter Satz wäre, den man bekanntlich Martin Luther zuschreibt, dem „Gründervater des Protestantismus“. Und auf den Protestantismus ist Matussek nun gar nicht gut zu sprechen. Gleich zu Beginn des aktuellen Buches „Das katholische Abenteuer“ distanziert er sich vom Protestantismus als der „bequemeren der christlichen Konfessionen“.
„Ihr Bekenntnisse“ tropften „ins gesellschaftliche Gewebe in hömoopathischen und jederzeit gut verträglichen Verdünnungen“, schreibt er.

„Ihre Pastoren“ seien „wie alle, sie lassen sich scheiden, sie leben in schwulen Lebensgemeinschaften, sie fahren ab und zu betrunken Auto, nichts, was irgendeinen groß aufregen würde, im Gegenteil, sie werden geliebt dafür, dass sie sind wie alle. Ach was, sie werden wegen ihrer menschlichen Schwächen sogar für Preise vorgeschlagen. Man kann sich in ihnen wiedererkennen. Sie holen die Menschen da ab, wo sie sind, wie man so sagt.“

So hart wie mit den Protestanten rechnet Matussek allenfalls noch mit Atheisten oder mit Kritikern der katholischen Kirche wie Heiner Geißler oder Hans Küng ab, beide Gäste vielbesuchter Veranstaltungen des Eifel-Literatur-Festivals 2012. Das seien zwei alte, narzisstisch gekränkte Männer, die sich jeweils für den besseren Papst hielten, „auf jeden Fall für unfehlbar“, meinte er polemisch in einem Interview mit dem Magazin „Focus“.

Wer dann noch liest, wie Matussek vom verstorbenen erzkonservativen Fuldaer Bischof Dyba als der „Axt Gottes“ schwärmt, von seinem Kampf gegen die Abtreibung, von seinem Kampf gegen Schwulenheiraten, von seinem Gehorsam gegenüber dem Papst, von seinem „Mut gegen die Mehrheit“, der bekommt eine Ahnung, wo der Katholik Matussek steht - und wie sehr sein Buch „Das katholische Abenteuer“ heutzutage tatsächlich als „Provokation“ anmuten kann, wie es der Untertitel des Buches verheißt.

Kaum zu glauben, dass hier ein SPIEGEL-Journalist schreibt, der mit 16 Jahren in eine linke WG gegangen ist, in der Zeit der 68er-Bewegung.  In diesen „wilden Jahren“ hat Matussek wie im Zeitraffer die Moden der Zeit durchlebt: Marxismus, Maoismus, Drogen und Rock‘n Roll.

Kaum zu glauben, dass eben dieser Matussek in einer Zeit seine katholischen Wurzeln wiederentdeckt, in der alle Welt hämisch über die katholische Kirche zu reden und zu schreiben scheint.
Wie empfing ihn Markus Lanz in seiner gleichnamigen Talkshow im Mai 2011: „Wissen Sie was, Herr Matussek, vor 30 Jahren wäre das Normalität gewesen, und jetzt schreiben sie Provokation darunter.“
Und wenige Minuten später hatte sich die Talkshow so sehr zu einer wortstarken Krawallshow gegen Matussek  entwickelt (Mathieu Carriere brüllte was von der Kirche als einer kriminellen Vereinigung), als wollte das ganze Studio den Untertitel von Matusseks Buch lautstark belegen: „Eine Provokation“.

Und eine Provokation scheint das heute zu sein: Matusseks Bekenntnis zum traditionellen Katholizismus. Seine schwärmerische Rückwendung zu versunkenen kindlichen Glaubenswelten der 50er und frühen 60 er Jahre. Sein Glaube an Gott, an die Unsterblichkeit der Seele, an die Wiederauferstehung. Seine schwärmerische Zustimmung zum „Credo“, zu den „10 Geboten“, zum „Vater unser“. Seine konservative Haltung zu den Reizthemen wie „Zölibat“, „Papst“ und „Priester“, zu „Hierarchie“ und „Tradition“, zu „Priesterweihe für Frauen“, zum „Segen für schwule Lebensgemeinschaften“. Seine Klage über die Entzauberung der Kirche durch das 2. Vatikanische Konzil. Seine Loblieder auf den „Jahrhundertpapst“ Johannes Paul II. oder auf den „Gelehrtenpapst“ Benedikt XVI. in einer Zeit, in der die „Wir-sind-Papst“-Euphorie längst verebbt ist.
Wer sich reiben möchte am katholischen Glauben, kann es hier tun. Wer noch einmal zu Basics des katholischen Glaubens zurückfinden möchte, sich anstecken lassen möchte vom Glauben, der ist richtig bei Matthias Matussek, bei seinen schwärmerischen Bekenntnissen wie seinen leidenschaftlichen Abgrenzungen und Abwehrkämpfen. Jederzeit sprachlich brillant.

„Das katholische Abenteuer“ ist das jüngste Buch von Matthias Matussek, eines von gut 20 Büchern, die er seit fast 30 Jahren, seit 1985, veröffentlicht hat.

Darunter ein so bekannter Bestseller-Erfolg wie „Wir Deutschen“, nicht zufällig 2006 erschienen, im Jahr des Sommermärchens, der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland  - ein Buch über die Deutschen und ihren Nationalstolz, geschrieben von einem Reporter, der mehr als ein Jahrzehnt im Ausland verbracht hat, als Spiegel-Redakteur in New York, Rio de Janeiro und London.

Hier sind die Liebe zum eigenen Land und die Verteidigung „gegen Klischees und Herabsetzungen“ die Antriebe des Schreibens über deutsche Fräuleinwunder, deutsche Helden, deutsche Triumphe und Niederlagen, über das „Comeback der Nation in der Epoche des Internationalismus“. - eine bewusste Antwort auf den „nationalen Selbsthass der 68er“.
Sie sehen: Kontroverse Themen, ein streitbarer Autor, mit Lust  an der Provokation - wie auch in seinem Buch „Als wir jung und schön waren“: Da erzählt Matussek von seinem persönlichen Werdegang - vom Jesuitenschüler, der als 16-jähriger in eine maoistische WG gerät und mit Haschisch in den Schuhen in einem indischen Knast landet. Vom Ministranten zum Maoisten, vom Maoisten zum Anarchisten und Kiffer- da hat jemand in wilden Jugendjahren leidenschaftlich Gegensätze ausgelebt.

In einem solchen Leben ist dann auch noch Platz für literarisches Schreiben, für Stories, Dramolette - und ja, für Romane.
Wie wir heute Abend in Wittlich sehen und hören werden.

Denn Matthias Matussek möchte auch seinen Roman „Die Apokalypse nach Richard“ vorstellen, der am 5. Oktober erscheinen wird. Darin geht es um Weihnachten, um die Ankunft Gottes in finsterer Zeit und um hoffnungsvolle göttliche Zeichen. Einmal mehr ein Glaubensbekenntnis - jetzt in Romanform.

Herzlich willkommen beim 10. Eifel-Literatur-Festival 2012,
herzlich willkommen in der Alten Synagoge zu Wittlich -
der katholische Provokateur und Abenteurer, der leidenschaftliche Journalist und Erzähler Matthias Matussek.