Einführungsrede zu Roger Willemsen

Magie der Nacht: als geheimnisvoll und unerforschlich gilt sie vielen, als unberechenbar und unmoralisch.
Den bösen Mächten der Finsternis anheimgegeben.
Aber auch als poetisch, phantasieanregend, gefühlserweiternd, als Reich untergründiger Träume und romantischer Sehnsüchte.
Da schwinden alle Formen und scharfen Umrisse, da verschmelzen Mensch und Natur, da erweitert sich die nächtliche Landschaft zuweilen ins Unendliche.

Die heutige Nacht, vom 30. April auf den 1. Mai, wird eine ganz besondere sein: wenn in der Walpurgisnacht die Hexen und bösen Geister entfesselt sind, wenn im Gegenzug fröhliches Maibaumaufstellen und -bewachen sowie ausgelassene Tänze in den Mai die Nacht beherrschen, auch in der Eifel.
Da ist es ein reizvolles Gegenprogramm, im kleinen Eifelstädtchen Prüm in das nächtliche Bangkok einzutauchen, in die Megastadt in Südostasien mit ihren mehr als 7 Mio. Einwohnern. Sich in einer Multimedia-Show treiben zu lassen im Bangkok bei Nacht, sich vom Einbruch der Dämmerung bis zum Morgengrauen bereitwillig hinzugeben den Geräuschen und Gerüchen, dem wechselvollen Spiel von Licht und Schatten, den Lichtstimmungen, den Leuchtspuren und Leuchtkörpern in den endlosen Labyrinthen von Gassen und Schnellstraßen, von Hochhäusern und Hütten, von Märkten und Bars. Inmitten von Wachenden und Schlafenden, von Armen und Reichen, von Nachtexistenzen, exzentrisch, exotisch und banal. Hochzeit von Glücksspiel, Sex und Aberglauben, irrlichternde Bühne schöner Körper und betörender Lüste.

Eine Hymne an die Nacht, eine Liebeserklärung an das nächtliche Bangkok, im Wechselbad der Gefühle und Sinneswahrnehmungen. Ein literarisches Nachtbild in mehr als 250 Fotos.
In immer neuen Satzkaskaden und Sprachbildern nachgezeichnet von Roger Willemsen, kongenial fotografiert vom Weltklassenfotografen Ralf Tooten, der in Bangkok zuhause ist.
Ein Nocturno von suggestiver Kraft, mit dem wir die Farben der Nacht sehen lernen, das Schöne wie das Hässliche, Erotik und Gewalt, von oben, von unten, von nah und von fern - immer wieder die Menschen im Focus, ihre Einzigartigkeit im Blick noch im Moloch einer Millionenstadt.

Jetzt also Bangkok aus der Feder des literarischen Globetrotters Willemsen. Der literarische Reisen unternommen hat durch Deutschland, durch die Welt von Karl May, in das Lager von Guantanamo oder nach Afghanistan.

Der nicht nur schreibt, sondern sich auch für die beschriebenen Menschen engagiert, in zahlreichen Hilfsorganisationen bis hin zur Afghanistan-Kampagne „Helfen steckt an“, zur Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ oder als Schirmherr des „Afghanischen Frauenvereins e.V.“, der seinen Sitz in Deutschland hat.
Roger Willemsen stammt aus dem Rheinland, wurde geboren in Bonn. Ist deutscher Publizist, Autor und Fernsehmoderator, legendär geworden durch die Talkshow „Willemsens Woche“ im ZDF. Er ist dem Fernsehen seither treu geblieben, und sei es mit dem Literaturclub des Schweizer Fernsehens - also auch ohne Quote und Ruhm.
Er hat ein Abonnement nicht nur auf den Bestsellerlisten unserer Republik, sondern - zumindestens gefühlt - auch auf der Gästeliste aller Literaturfestivals im deutschsprachigen Raum.
2008 hat uns Air-Berlin noch einen Strich durch die Festivalrechnung gemacht, im Wasserkraftwerk von Heimbach, wo wir uns musikalisch hatten entführen lassen wollen in den Wilden Westen von Karl May.
Umso mehr freuen wir uns, ihn im zivilisierten Westen unserer Republik begrüßen zu können: in der Aula der Wandalbert-Hauptschule zu Prüm beim 9. Eifel-Literatur-Festival.
Hier möchte er sein Versprechen wahrmachen, 90 Minuten lang das beschauliche Städtchen Prüm in einen „brütenden Moloch“ zu verwandeln.
Herzlich willkommen Roger Willemsen.

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