
- Home
- Aktuelles
- Veranstaltungen und Onlinebestellung
- Programmheftbestellung
- Kartenvorverkauf
- Videoimpressionen 2010
- Fotoimpressionen 2010
- Einführungsreden 2010
- "Das Beste zum Festival" - Zitate
- Sponsoren & Infos
- Grußworte
- Presseinformationen
- Newsletter
- Kontakt
- Archiv
- Grußworte 2008
- Programm 2008
- Festival 2008 im Bild
- Einführungsreden Dr. Zierden 2008
- Einführungsrede Margot Käßmann am 14.11.2008
- Einführungsrede Arved Fuchs am 07.11.2008
- Einführungsrede Prof. Dietrich Grönemeyer am 06.11.2008
- Einführungsrede Jan Weiler am 24.10.2008 in Wittlich
- Einführungsrede Tommy Jaud am 17.10.2008 in Irrel
- Einführungsrede Berndorf & Kramp am 10.10.2008 in Adenau
- Einführungsrede Ingo Schulze am 05. Oktober 2008
- Leonie Swann am 12. September in Bitburg
- Buhrow und Stamer am 05.09.2008 in Gerolstein
- Susanne Fröhlich am 29.08.2008 in Daun
- Herta Müller am 22.08.2008 in Naunheim
- Pater Anselm Grün am 19.06.2008
- Urs Widmer am 13.06.2008
- Wolfgang Herrndorf am 10.06.2008
- Christoph Ransmayr am 06.06.2008
- Iris Berben am 31.05.2008
- Rüdiger Safranski am 30.05.2008
- Martin Mosebach am 27.05.2008 in Monschau
- Petra Gerster am 21.05.2008
- Dirk Sager am 16. Mai 2008
- Sabine Kuegler am 9. Mai 2008
- Georg M. Oswald, 29. April 2008
- Martin Walser, 25./26. April 2008
- Presseinformationen 2008
- Einführungs-Reden 2006 von Dr. Zierden
- Festival Nachlese 2006 (PDF)
- Foto-Impressionen 2006
- Grußworte 2006
- Autoren / Veranstaltungen 2006
- Bildnachweise 2008
Rüdiger Safranski am 30.05.2008 im Kloster Himmerod
Einführung von Dr. Josef Zierden, Eifel-Literatur-Festival
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
was für ein Anfang: „Herder sticht in See“, am 17. Mai 1769. Der Kulturphilosoph und Theologe verlässt seine Gemeinde in Riga, geht an Bord eines Schiffes, bricht auf über die Ostsee - neuen Horizonten entgegen. Wechselt das Lebenselement, wie Safranski schreibt: das Feste gegen das Flüssige, das Gewisse gegen das Ungewisse, um Abstand zu gewinnen und Weite. Ausgesetzt den Winden der Ostsee ebenso wie den eigenen Gedankenstürmen, hingegeben den ungeheuren Weiten zwischen Himmel und Meer, dem Flattern der Segel, dem Wanken des Schiffs, dem Rauschen der Wellen, dem Fliegen der Wolken - Denken in neuer Bewegung, frischen Fahrtwinden ausgesetzt auf offener See, mit allen Sinnen dem Grenzenlosen hingegeben, jenseits dumpfer, enger Bücherstuben und beschränkter Lebenskreise. Mit Herders Aufbruch und Ausbruch aus Riga lässt Rüdiger Safranski die Romantik beginnen - und damit sein neues Buch: eine Reise auf den Spuren der Romantik und des Romantischen.
Und zeigt: wie packend man deutsche Geistesgeschichte erzählen kann, wie anschaulich, wie verständlich und souverän noch in komplexen philosophischen Sachverhalten.
Kaum hat er den Deutschen im Schillerjahr 2005 das goldene Zeitalter des Idealismus grandios erschlossen, mit seiner vielbeachteten und vielgelesenen Schiller-Biographie - da stürzt sich Safranski also auf das Abenteuer „Romantik“. Auf eine Epoche also, die im Wunder zuhause ist, wie Matthias Mattusek im „Spiegel“ schrieb. Die auf die Entzauberung der Welt, auf die Uniformierung und Pragmatisierung und Reglementierung durch das aufgeklärte Denken, durch die empirisch-technischen Naturwissenschaften, durch das bürgerlich-ökonomische Nützlichkeitsdenken mit Wiederverzauberung antwortet. Mit Staunen und Wundern, mit Ahnungen und Sehnsüchten, mit Phantasien, Träumen und Gefühlen, mit dem Geheimnisvollen, Wunderbaren und Rätselhaften - kurz: mit dem Romantisieren der Welt à la Novalis, das ewig junge Genie, von Safranski als „Mozart der jungen Romantik“ gefeiert. Der hatte dazu aufgerufen, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen zu geben, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein - also die Welt zu durchdringen mit poetischem Geist.
Mit Gegensatzpaaren wie: die Vernunft und das Irrationale, die Normalität und das Wunderbare, das Bekannte und das Unbekannte, das Leben und die Kunst, das Wissen und die Poesie - mit solchen Gegensatzpaaren schlägt Safranski beherzte Schneisen durch die Epoche der Romantik, deren Fortwirken als Geisteshaltung er bis in die Gegenwart verfolgt. Bis in den Orchestergraben Richard Wagners, bis in die Schützengräben Ernst Jüngers, bis zur vielfach behaupteten Mitschuld an Unheil des Nationalsozialismus und zuletzt bis Romantik der Befreiung der 68er-Bewegung, vor jetzt genau 40 Jahren.
Indem er der Verzauberung der Welt durch das Imaginäre nachspürt, erweist sich Rüdiger Safranski einmal mehr selber als Zauberkünstler: als Zauberkünstler lebendiger wie lehrreicher, materialreich recherchierter wie spannend, glänzend und souverän erzählter geistesgeschichtlicher Biografik. Wie schon bei seinen vielbeachteten und vielgelesenen und vielfach ausgezeichneten Meisterbiographien über Genies der deutschen Geistesgeschichte wie E.T.A. Hoffmann, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Friedrich Schiller.
So freuen wir uns, dass Rüdiger Safranski heute die Reise von München in die Eifel auf sich genommen, um uns alle auf eine viel, viel größere Reise mitzunehmen: auf die Abenteuerreise durch die Epoche der Romantik und die Karriere des Romantischen.
Herzlich willkommen beim 8. Eifel-Literatur-Festival 2008, herzlich willkommen im Refektorium des Kloster Himmerods - Rüdiger Safranski.


