Einführungsrede zu Pater Anselm Grün im Kloster Himmerod

Meine sehr geehrten Damen und Herren

2010 ist ein besonderes Jahr für das Kloster Himmerod und für Pater Anselm.

Die Zisterzienser-Abtei Himmerod: Sie feiert in diesem Jahr gleich drei Jubiläen.
1135, vor 875 Jahren sandte der heilige Bernhard von Clairvaux persönlich seine geistlichen Söhne in das Salmtal, wo sie das neugegründete Kloster zu einem bedeutenden spirituellen Mittelpunkt der Eifel machten - die erste Zisterziensergründung in Deutschland überhaupt.
Vor 90 Jahren wurde es wiederbesiedelt, nachdem es 1802 von den Franzosen aufgehoben worden war.
Und vor 50 Jahren wurde diese Abteikirche, in der wir heute zusammenkommen, wiedererrichtet und eingeweiht.

Und Pater Anselm Grün: der hat am 14. Januar dieses Jahres seinen 65. Geburtstag gefeiert. Jedenfalls wurde er gefeiert - in den Medien, in Presse, Rundfunk und Fernsehen: einmal mehr als einer der meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart, als ein prägendes Gesicht des Katholizismus, als Deutschlands bekanntester Mönch.
Die erste umfassende Biografie über Pater Anselm erschien, die den Menschen hinter dem Mönch zu zeigen versucht und die Atmosphäre des Klosters Münsterschwarzach bei Würzburg einzufangen sucht.
Hier, wo Pater Anselm seit seiner Jugend ein etwa 12 qm großes Zimmer bewohnt.
Hier, in einem der größten Benediktinerklöster Europas mit etwa 90 Mönchen, hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht.
Hier hat er seine mehr als 200 Bücher mit einer Gesamtauflage von rund 18 Millionen verfasst.
Hier beginnt sein Tag um 4.40 Uhr, mit Beten, Frühstücken, Lesen. Gegen 8.00 Uhr etwa sieht man ihn in seinem Büro, inmitten von Postbergen und blinkenden Mails.
Und dann, als Finanzchef des Klosters, ist er rastlos unterwegs in den rund 20 kleinen Klosterbetrieben mit ihren rund 300 Angestellten.
Um dann, am Ende eines bewegten und langen Tages, von Klosterschwarzach aus mindestens zweimal wöchentlich auf zu Vortragsreisen aufzubrechen. Rund 150 mal im Jahr fährt mit dem Auto rund 60.000 Kilometer durch Deutschland. Und so proppevoll wie sein Terminkalender sind auch die Säle, die er füllt - wie heute Abend mit rund 1000 Zuhörern in der Klosterkirche Himmerod.
Da kann es spät werden, 01.00 Uhr in der Nacht oder noch später, bis Pater Anselm in sein bayerisches Kloster zurückkehrt.

„Der Glückspater“, „Mönch mit weitem Herzen“: mit vielen Etiketten hat man Pater Anselm im Januar dieses Jahres gefeiert.
Man hat ihn gar als „Star“ und „Guru“ sehen wollen - was er selber in gar keinem Fall sein möchte.
„Mönch sein, Mönch durch und durch“, das ist ihm immer noch das Liebste. Was auch im höheren Alter für ihn heißt: Unermüdlich suchen nach Gott, nicht stehen bleiben, immer auf der Suche sein. Und sich immer vom einzelnen Menschen bewegen lassen und der Sorge, wie dessen Leben besser gelingen könne.
Auch im Geiste Anselm von Canterburys, von dem sich Pater Anselm den Vornamen entlehnt hat. Ein unbequemer Philosoph und Theologe v.a. des 11. Jahrhunderts, dem man nachsagt, er habe den Glauben erfahrbar und durchschaubar gemacht.
Vom Ruhestand dürfte Pater Anselm also noch himmelweit entfernt sein.

Mehr als 200 Bücher, ein 65. Geburtstag mit vielfältigen Rückblicken, Vorblicken und Lebensbilanzen: da wären heute Abend viele Vortragsthemen für Pater Anselm denkbar gewesen. Etwa über die Kunst des Älterwerdens. Oder mit den 10 besten Wegen zum Glück, die ihm die „Bild“-Zeitung im Januar abverlangte. Oder über Gott, Geld und Gewissen, wie in seinem jüngsten Buch - ein Gespräch zwischen Mönch und Manager.
Das Kloster Himmerod aber mit seinem dreifachen Jubiläum: Es hat sich ein Thema aussuchen können - und das lautet wunschgemäß „Stellung der Frau in Theologie und Kirche“. Pater Anselm hat es übernommen.

Herzlich willkommen beim 9. Eifel-Literatur-Festival 2010, in der Eifel, wo seine Mutter herstammt, deren Realismus er immer so gelobt hat -
herzlich willkommen in der Klosterkirche zu Himmerod: der Mönch, Seelsorger und Bestsellerautor Pater Anselm Grün!

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