Einführungsrede zu Frank Schätzing in Daun

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das Unbekannte treibt ihn an - den Schriftsteller Frank Schätzing, der seit seinem spektakulären Mega-Bestseller „Der Schwarm“ in der Weltliga der Thriller- und Science-Fiction-Autoren spielt und als „deutscher Michael-Crichton“ gefeiert wird.

Das Unbekannte: Das kann das unerforschte Universum der Ozeane sein wie im Öko-Thriller „Der Schwarm“, 2004 erschienen.
Hier verschwört sich das Leben im Meer gegen den Menschen.
Wale, Quallen, Muscheln, Krebse, Tiefseewürmer - die ganze ozeanische Welt ist in Aufruhr, um sich gegen die drohende Zerstörung der Meere durch den Menschen zu wehren.

Und im jüngsten Bestseller, „Limit“: da ist das Unbekannte
der Weltraum, die unendliche Tiefe und Weite des Alls, der Wettlauf zum Mond vor allem im Jahre 2025.

Wer hier auf der Höhe der aktuellen Forschung schreiben, wer das politische, wirtschaftliche und technische Hier und Jetzt wissenschaftlich fundiert entgrenzen und in die Zukunft transponieren will, der muss ein geradezu besessener Recherchefreak sein.
Zuhause in der Welt der Meeresbiologen und Geologen, der Verhaltensforscher und der künstlichen Intelligenz.
Zuhause in der Welt der Astronauten, der Raumschiffe und Mondbasen, der interplanetaren Kommunikation oder der lunaren Helium-3-Vorkommen.
Zuhause im einst Unbekannten - durch jahrelange Intensivrecherchen, durch Fachgespräche weltweit, durch Fachbücher, Artikel, Fotos und Filme. Sie geben Weltall-Phantasien realistischen Boden.

Und dann erst mal die Arbeit des Schreibens: der Versuch, den ungeheueren Rechercheberg erzählerisch genießbar abzutragen,
exakt, spannend und unterhaltsam,
mit Gespür für Dialoge und Dramaturgie,
mit rasanten Action-Szenen, die uns noch auf mehr als 1300 Seiten immer neu in Atem halten - ohne dass man als Leser ans Limit von Konzentration und Leselust gerät.
Dann kann entstehen, was der Literaturkritiker Denis Scheck an „Limit“ gefunden hat: schwerelose, aber nicht leichtgewichtige Unterhaltung.

Dabei ist der Anhang „Personal“ ganz hilfreich, der fast 100 Charaktere auflistet und erläutert, die da miteinander und gegeneinander kämpfen: um nichts weniger als um die Herrschaft auf dem Mond und auf der Erde, auf nahezu allen Kontinenten, im wilden Länder-Wechsel von China, Äquatorialguinea, Alaska und Ecuador, von Großbritannien, Italien, Kanada und den USA, bis hin zum Showdown in Berlin und der nuklearen Bedrohung auf dem Mond. Ein Meisterstück an Dramatik und Katastropheneskalation.

Da gibt es senkrecht startende Flugtaxis, fliegende Motorräder oder Fahrzeuge, die auf Knopfdruck ihre Größe und Gestalt ändern.
Da tragen Menschen Brillen mit eingebauten Personen-Scannern oder Kleidung aus der Sprühdose.
Da geht es mit einem Weltraum-Fahrstuhl zum Mond, mit Zwischenstation auf der Weltraumstation OSS.
Da wartet ein Hotel auf dem Mond mit Panoramafenstern zum All - und mit fixierenden Love-Belts, Liebesgürteln aus Gummi, für Sex in der Schwerelosigkeit.
Da stapfen sechsbeinige Förderroboter in Riesenkäfer-Form durch den Mondstaub, bauen das Helium-3 ab und zermalmen, was ihnen in den Weg kommt.

Wenn es stimmt, dass Frank Schätzing erzählt wie ein Filmemacher, drehbuchgerecht, seine inneren Filme nur nachzeichnend - dann ist in „Limit“ ganz großes Kino Buch geworden - mit einem fesselnden Mix von Science-Fiction, Actionthriller und Spionageroman. Ein außergewöhnliches Buch, das auf seine Verfilmung förmlich wartet.

Was nun das Spektakel des heutigen Abends in Bitburg angeht:
Bei einem kreativen Multitalent wie Frank Schätzing ist es klar, dass er die klassische Wasserglas-Lesung als Weltraumschrott in den Orbit schickt, wie die „Kölnische Rundschau“ einmal geschrieben hat. Und dass er uns mit „Limit live“ Literatainment vom Feinsten bieten wird, eine große galaktische Leseshow mit Bilderrausch und selbstkomponiertem Soundtrack - eine literarische „Sternstunde“ nicht nur im astronomischen Sinne.

Herzlich willkommen beim Eifel-Literatur-Festival 2010,
herzlich willkommen in der Stadthalle Bitburg: Frank Schätzing!

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