Einführungsrede zu Jacques Berndorf auf Schloss Bürresheim

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

am Anfang war Berndorf! Jedenfalls am Anfang des Eifel-Literatur-Festivals: im November 1994, vor fast 16 Jahren, in der vielzitierten Schalterhalle einer kleinen Bank in Prüm.

Gemeinsam mit dem Schriftstellerehepaar Georg und Renate Cords, besser bekannt unter dem Krimi-Pseudonym „Georg R. Kristan“, bestritt er die allererste Lesung des Eifel-Literatur-Festivals überhaupt. „Eifel-Gold“, Band 2 der Eifelserie, war gerade erschienen. Um den größten Geldraub in der Geschichte des Bundesrepublik ging es da, ausgerechnet in der verschlafenen Eifel.

14 Krimis weiter und rund 5 Millionen Exemplare dazu, wissen wir:
Jacques Berndorf ist mit seinen millionenfach aufgelegten Siggi-Baumeister-Krimis der Eifelkrimi-Autor schlechthin;
er hat die Eifel zur unbestrittenen Krimi-Landschaft Nr. 1 in Deutschland emporgeschrieben hat, wie uns FAZ und WELT,
GEO, STERN und BILD gleichermaßen bestätigen;
er ist einer der besten Botschafter der Eifel, die wir überhaupt haben.
Er, der sich Mitte der 1980er Jahre zu Recherchezwecken im Eifeldorf Berndorf niederließ, dabei wieder in den Sog der Eifellandschaft geriet - und im Herumstreunen in den Wäldern und Scheunen und Ställen, im gedämpften Lärm wie in der Stille die Eifel seiner Kindheit wiedererkannte.
Er ist erfolgreichste unter den rund 200 deutschen Regionalkrimi-Autoren, die es danach drängt, die Provinz zum Schauplatz des Verbrechens zu machen und immer neue Krimiregionen zu erschließen - von Ostfriesland bis Bayern, vom Bodensee über das Saarland bis ins Sauerland.
Die detailgenau die Landschaft und ihre Menschen beschreiben, vermeintliche Idyllen aufmischen und kriminalistische Hektik noch in die ruhigsten Winkel der Provinz bringen.
Ganz so ruhig ist es auf dem Nürburgring nicht, für uns Eifeler immer noch die berühmteste Rennstrecke der Welt. Der Höllenlärm der Motoren und neuerdings der politische Krach in den Medien und im Untersuchungsausschuss sorgen dafür. Gewissermaßen den „Großen Preis der Krimiliteratur“ gewann Berndorf 1997, als er in „Eifel-Rallye“ in den Formel-1-Zirkus am Ring eintauchte - immer auch eine Erzähl-Rallye mit spannenden Etappen und mörderischen Zwischenprüfungen.
In seinem Buch „Gebrauchsanweisung für die Eifel“ (2008) war Jacques Berndorf noch ein wenig unentschieden, was er von dem millionenschweren Freizeit- und Bussiness-Projekt „Nürburgring 2009“ halten sollte und was von dem Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz. „Wir sehen uns am Ring, etwa im Frühjahr 2010 nach Christi Geburt. Dann müsste der letzte Bagger weg sein, und vielleicht trinken der Wilhelm Hahne und der Walter Kafitz dann erlöst zusammen ein kühles Bier“, schloss Berndorf seine Spekulationen über die Zukunft des Nürburgrings. Das wird schwer möglich sein: Walter Kafitz wurde im Dezember 2009 fristlos entlassen, nachdem schon im Juli 2009 der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel nach immer neuen Finanzskandalen zurückgetreten war. Die weltschnellste Achterbahn, für viele ohnehin nur ein Haufen hochteuren Schrotts, steht bis heute still und symbolisiert eher Stillstand und Abstieg als Fortschritt und Höhenflug.

Und während der rheinland-pfälzische Landtag im September 2009 einen Untersuchungsausschuss zur Nürburgring-Affäre eingesetzt hat und kräftig auf die Spaßbremse drückt, lässt Jacques Berndorf in seinem jüngsten Krimi „Die Nürburg-Papiere“ seinen Ein-Mann-Untersuchungsausschuss Siggi Baumeister in der Grünen Hölle ermitteln. Wo er manches blaue Wunder erlebt.

Herzlich willkommen also, einmal mehr, beim Eifel-Literatur-Festival 2010,
in der Hohen Eifel, im Mayener Land, mit dem ihn biographische Wurzeln verbinden,
im wunderschönen Ambiente von Schloss Bürresheim - herzlich willkommen Michael Preute alias Jacques Berndorf.

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