Einführungsrede zu Leonie Swann in Prüm

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

endlich hat das Schweigen der Lämmer ein Ende!
Fünf Jahre nach dem Schafskrimi-Debüt „Glennkill“,
fünf Jahre nach dem riesigen Erstlingserfolg mit über 2 Millionen Auflage und Übersetzungen in 30 Sprachen legt die Autorin Leonie Swann die langersehnte Fortsetzung vor.
„Garou“ heißt sie, „Werwolf“ zu Deutsch, im Juni 2010 erschienen.

Und da blöken sie wieder, da grasen sie wieder, da ermitteln sie wieder - die Schafe von „Glennkill“.
Jetzt aber nicht mehr auf ihrer alten Weide in Irland, nahe dem großen Meer, dem Strand und den Klippen, dem Wind und den Möwen.

Vielmehr auf dem europäischen Festland, in Frankreich, im Schatten eines riesigen schaurigen Schlosses, im Winterquartier auf einer kalten Winterweide.
Zwischen Schäferwagen und Heuschuppen.
Inmitten eines fremden, dunklen Waldes. Nahe einem Obstgarten und nahe einer Ziegenweide, mit einer Herde streng riechender Ziegen darauf.
Mit Rebecca, der neuen Schäferin, Tochter ihres früheren, ermordeten Schäfers George.
Die ihnen auch nicht mehr Liebesgeschichten vorliest, sondern die Geschichte vom „Schweigen der Lämmer“. In der allerdings kaum Lämmer vorkommen und auch reichlich wenig Heu. Das erfinden sich die Schafe dann halt selber haufenweise dazu, um die gruselige Geschichte doch noch zu einer gemütlichen Gute-Nacht-Geschichte für Schafe umzuformen.

Ein Schafsparadies hatten die Lämmer erwartet, wie es ihnen der Schäfer George noch ausgemalt hatte: „voller Apfelblüten, Kräuterwiesen und komischer langer Brote“.
Stattdessen erwarten sie in Europa, in Frankreich hupende Autos, stinkende Landstraßen, sirrende Stechmücken, stinkende Ziegen und Schnee.
Ein Land ist es, in dem schon die Sprache Angst macht, wenn man sich mit „Bon Schur“ begrüßt, was den einfältigen wollenenen Vierbeinern gleich Angst einjagt vor dem Scheren des Wollhaars.
Wie die Schafe überhaupt mal wieder ein großes Geschick an den Tag legen, mit Schafsblick und Schafslogik die Menschenwelt gründlich misszuverstehen.
Da wird „Willensstärke“ zu „Wollensstärke“, „Sprengsätze“ zu „Springsätzen“. Und beim Wort „verwanzt“ denken die wollenen Vierbeiner gleich an Ungeziefer. Zu dumm auch, dass sich mit einem stumm bleibenden Auto so schlecht verhandeln lässt, die Schafe in eine andere Richtung zu fahren. Und dass sich Probleme nicht einfach dadurch lösen lassen, dass man sie frisst, etwa Tarotkarten.
Mit so wenig Verstand und mit so viel Einfalt und Feigheit einem Werwolf auf die Spur zu kommen, das ist nur in der Herde, im Team, zu lösen.
Wozu Miss Maple und Mopple the Whale, Sir Richtfield oder Othello ihr jeweils Bestes beisteuern müssen: Klugheit oder Gedächtnis, Sehstärke oder Geruchssinn, Forschheit oder gute Ideen.
Denn es geht um Leben und Tod, wenn ein Werwolf sein Unwesen treibt.
Neben Spannung und Grusel kommt in „Garou“, wie schon in „Glennkill“, der Humor nicht zu kurz.
Mit einer Kritikerin der „Frankfurter Rundschau“ gesprochen: „Garou ist ein Spaß. Ein Spaß mit ein paar dunklen Ecken: Geisterschafen, dämonischen Ziegen, mysteriösen Menschen. Aber was wäre ein Schafkrimi ohne dunkle Ecken? Nur eine Geschichte über ein paar nicht gerade gescheite Tiere.“

Herzlich willkommen beim 9. Eifel-Literatur-Festival 2010, herzlich willkommen in der Eifel,
die über Jahrhunderte das Land der Schafe gewesen ist
(um 1830 wurden in der Eifel noch 280.000 Schafe gezählt),
in der auch heute noch Schäfer mit Schafherden die Landschaft durchziehen,
in der Eifelkrimi-Autoren ihre „schwarzen Schafe“ zwischen Buchdeckeln versammeln,
herzlich willkommen auf ein literarisches Schäferstündchen voller Spannung und Humor: Leonie Swann!

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