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Einführungsrede Dr. Josef Zierden zu Ranga Yogeshwar

Prüm, 21. September 2012

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Ranga Yogeshwar und die Lust am Fragen!
Eine Welt von Fragen tut sich auf, wenn man Yogeshwars Bücher aufschlägt „Sonst noch Fragen?“ oder „Ach so!“.
Mögen Stechmücken Käsefüße?
Warum drehen sich Knödel im Topf?
Warum dreht sich der Uhrzeiger immer rechts herum?
Wie kommt die Straße ins Navigationsgerät?
Wie groß muss ein Spiegel mindestens sein, damit man sich ganz darin sehen kann?

Die „drei Fragezeichen“ waren gestern - 108 und wieder 99 Fragezeichen locken in uns in geheimnisvolle Welten: des Körpers wie des Weltraums, der Technik wie des Sports, der Tiere wie der Zahlen.
Runzelige Finger der Tochter nach dem Baden. Quietschende Kreide an der Schultafel. Großmutters Erklärungen für rote Sonnenuntergänge. Gespenstische Geschichten über das Moor. Starke Winde vor dem Kölner Dom. Das Vogel-V zurückkehrender Wildgänse im Frühjahr.
So alltäglich die Frageanlässe sein mögen, so spannend können die Erklärungen sein. Für Phänomene, die wir alle kennen, aber damit noch lange nicht erklären können.
Wohl dem, der da einen Ranga Yogeshwar zur Seite hat:
ein Genie des Fragens, ein Genie der Verständlichkeit.
Das stellt er in seinen Büchern unter Beweis, die fraglos erfolgreich sind und die immer neuen Auflagenrekorden entgegenstreben.
Das stellte und stellt er seit Jahrzehnten in seinen Fernsehsendungen unter Beweis, als Wissenschaftsredakteur oder als Moderator. Etwa der „Wissenschaftsshow“ des WDR, der Sendung „Quarks & Co“, „Kopfball“ oder der „großen Show der Naturwunder“.
Wissenschaft und Show, Information und Unterhaltung zusammenzubringen und ganze Fragewelten mit verständlichen Antworten und pointierten Ausrufezeichen zu erhellen, auf der Suche nach Antworten auch nicht vor spektakulären Selbstversuchen zurückzuschrecken: das ist längst zum Markenzeichen von Ranga Yogeshwar geworden.

Preise über Preise hat er dafür bekommen, Journalistenpreise, Wissenschaftspreise, Filmpreise, das Verdienstkreuz der Bundesrepublik, einen Ehrendoktor der Universität Wuppertal sogar.

Und wenn wir respektvoll zu Ranga Yogeshwar hochschauen und noch ein wenig höher, noch etwas höher, ins All: da können wir womöglich einen Asteroiden sehen, den die Volkssternwarte Drebach im September 1999 entdeckt und nach Ranga Yogeshwar benannt hat. Zum Orbittyp, zur Großen Halbachse, zur Exzentrizität oder zur siderischen Umlaufzeit können Sie alles Einschlägige bei Wikipedia nachschlagen, unter dem Stichwort „(20522) Yogeshwar“.
Schlagen sie nach, wenn Sie sich von Wissenschaftssprache nicht abschrecken lassen oder wenn Sie einen Magier der populären Wissenschaftsvermittlung erst recht wieder schätzen lernen wollen - Ranga Yogeshwar.
Wo und wie ist so jemand in die Welt des Wissens hineingewachsen?
Die Antwort: In einer Grundschule in Indien und Luxemburg, auf einem Gymnasium im luxemburgischen Diekirch und auf der RWTH Aachen beim Studium der experimentellen Physik, genauer der Elementarteilchenphysik und der Astrophysik.
Ganz in der Nachbarschaft also, von Indien abgesehen.

Und wenn wir schauen, wo er lebt, mit seiner Frau, seinen vier Kindern, drei Katzen, einem Hund und einer eigenen Sternwarte im Garten, dann ist das auch nicht so furchtbar weit von uns entfernt - in der Nähe von Köln oder Bonn, wie Sie möchten.

Aber es war nicht nur räumlich naheliegend, einen solch begnadeten Wissenschaftsjournalisten einzuladen, der Millionen von Fernsehzuschauern und Hunderttausende Leser in den Bann zieht.

Er sei ein Freund kleinerer Lesungen, er lehne Lesungen in Arenen mit 5.000 bis 10.000 Leuten ab, hat er im Interview mit unserem Medienpartner „Trierischer Volksfreund“ erklärt.
Und: „Ich möchte bei einer Lesung noch die Augenfarbe des Gegenübers erkennen können.“
Mit 10.000 Leuten schrecken wir heute Abend nicht. Aber es wird schon eine Herausforderung sein, in einem ausverkauften Saal in der Eifel mit gut 700 Zuhörern noch die Augenfarbe des Gegenübers zu erkennen. Die gut 400 Augenpaare auf der Warteliste können und müssen wir außer acht lassen. Wir Zuhörer jedenfalls richten unser Augen-merk ganz und gar auf den Festivalgast des heutigen Abends. Das ist gar keine Frage.

Herzlich willkommen beim 10. Eifel-Literatur-Festival 2012,
herzlich willkommen in dieser heiligen Halle des schulischen Wissens in Prüm: der Magier populärer Wissensvermittlung, der Buchautor, Fernsehredakteur und inzwischen freiberufliche Moderator - das wandelnde „Fragezeichen“ Ranga Yogeshwar!