Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede zu Jacques Berndorf und Ralf Kramp

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich gebe zu: ich hab’s getan. Niemand von Ihnen schöpft Verdacht. Ahnungslos sind sind Sie die hölzerne Treppe hinaufgestiegen. Unter ihnen hat es geknarrt und gewankt. Entfernten sie sich vom Abgrund oder zog er sie an?
Lag da nicht eine erstarrte Hand auf dem Büchertisch ganz unten, unwirklich weiß? Grinsten nicht Totenköpfe schaurig herauf?
Da blendete sie schon das Bühnenlicht und entließ sie noch blinder in das Dunkel dieses Geschosses, dieses Dach-Geschosses.
Sie stießen an die Stühle, sie rumpelten die Reihen hinauf, sie schrammten sich die Knie blutig. Sie tappten im Dunkeln und schöpften noch keinen Verdacht.
Und hatten doch das Gefühl, von oben alles zu überschauen, alles zu durchschauen. Das Festival-Tuch, ob sich jemand dahinter verbarg? Die blutrote Schrift, wie drohend sie sich über die heile Welt der Berge und Bäche legte?
Und dann dieser Mann da vorne, gutes Alibi, angeblich der Organisator des Festivals, prima Fassade womöglich.
Hatte der nicht gerade zu einem Geständnis ausgeholt? Und jetzt spricht er wieder, hören wir ihm doch zu:
Ich gebe zu, ich hab’s getan. Niemand von Ihnen schöpft Verdacht. Kein Ermittler ist mir auf den Fersen, kein Zeuge formt seine Worte gegen mich. Nicht einmal die beiden Krimi-Autoren Jacques Berndorf und Ralf Kramp haben damit gerechnet. Hatten nicht die Vorverkaufsstellen präzise Zahlen geliefert? War nicht der Vorverkauf sofort gestoppt worden? Und doch gab es ein paar Menschen zu viel heute Abend auf dem Dachboden zu Dudeldorf. Ein paar Menschen zu viel - man hätte es elegant lösen können. Schon bei der Ankunft auf aquaplaningverseuchten Landstraßen, hätte wie Unfall ausgesehen. Schon beim Testen des Begrüßungstrunks, mit wirksamer Beimischung. Schon auf der knarrenden Treppe mit dem brüchigen Geländer. Oder doch jetzt, beim spontanen Testen der angeblichen Feuerleiter ins Freie, raffinierte Bezeichnung für stufenweisen Exitus.
Ich gebe zu, ich hab’s getan. Als alle Verkaufslisten hätten geschlossen werden müssen, tauchte ein Name auf - dem ich mich als Eifelkrimi-Fan sofort geschlagen geben musste. „Baumeister“, „Gerhild Baumeister“ wurde die Mail ausgedruckt, und auf dem Kontoauszug dann: „Baumeister, Andreas“.
Wer den Siegeszug der Baumeister-Krimis über fast zwei Jahrzehnte verfolgt hat, wer den Schöpfer des schnoddrigen Journalisten Siggi Baumeister fast seit seinen Krimi-Anfängen kennt, des Siggi Baumeister, der seine Katzen, seine Garten und sein kleines Dorf in der Eifel liebt, der macht sich gerne schuldig, wenn er einen Baumeister oder gleich zwei Baumeister zum Krimi-Abend einlässt - zum Krimi-Abend mit d e m Baumeister der erfolgreichsten Krimi-Serie Deutschlands, nämlich mit Jacques Berndorf und dem millionenstarken Eifelkrimis.
Und 12 Jahre, dass mit seiner Lesung das Eifel-Literatur-Festival in Prüm begonnen wurde. 10 Jahre sind es her, dass er den Eifel-Literatur-Preis in der Sparte Krimi bekommen hat und er bei einer Litera-Tour im Rahmen des Festivals den legendär gewordenen Beinamen „Guru des Eifel-Krimis“ erhielt.
Herzlich willkommen beim 6. Eifel-Literatur-Festival 2006: Jacques Berndorf.
Ein Jahrzehnt ist es auch her, dass ein junger Mann aus Mechernich in der Nordeifel in seine Krimi-Fußstapfen getreten, mit Herbie Feldmann, der leicht gespaltenen Ermittlerpersönlichkeit. Herzlich willkommen: Ralf Kramp!
Und ich selber, seit einem Dutzend Jahren schon beuge ich mich mit der Schreibfeder über Leichenberge, lass die Feder schwimmen in blutigen Eifelbächen und Eifelflüssen, erschrecke nicht mehr vor der Leiche im Eifelmaar, zucke nicht mehr dem blutroten Maischebottich an der Ahr und dem Toten darin.
Und wenn mich die Scheinwerfer von Dudeldorf nicht blenden, schaue ich sogar weit hinaus in rheinland-pfälzische Krimi-Land, nach Rheinhessen und in die Pfalz, in den Westerwald und an den Mittelrhein und kehre immer wieder gerne heim in jenen Landstrich, in dem der Siegeszug des Regionalkrimis in Deutschland vor fast zwei Jahrzehnten begonnen hat: in die Eifel.
Drei Krimi-Dinos auf dem Weg durch eine mörderisch-spannende Krimiwelt - ich lade Sie herzlich ein, dabei zu sein.