Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede zu Dietrich Grönemeyer

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

alles, was dieser Mann anfängt, scheint ihm zu gelingen.
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer - er ist erfolgreicher Arzt, der bekannteste und international renommierteste, den wir in Deutschland haben.
- Er ist erfolgreicher Wissenschaftler: seit 1996 Inhaber des weltweit einzigen Lehrstuhls für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten/Herdecken sowie Gründer und Leiter des Entwicklungs- und Forschungszentrums für Mikrotherapie Bochum.
- Er ist erfolgreicher Unternehmer - als Leiter des 1996 begründeten „Grönemeyer-Instituts für Mikrotherapie“ in Bochum sowie verschiedener Medizintechnik-Unternehmen - mit rund 200 Arbeitsplätzen.
Und er ist erfolgreicher Autor: seit Jahren schon erobern alle seine Bücher im Nu die Spitzenplätze der Bestsellerlisten und belegen sie monatelang - von „Mensch bleiben“ (2003) über „Mein Rückenbuch“ (2004) und den „Kleinen Medicus“ (2005) bis zum aktuellen Bestseller „Lebe mit Herz und Seele. Sieben Haltungen zur Lebenskunst“, dem Buch des heutigen Abends. Es ist im August erschienen und stand in dieser Woche bereits auf Platz 4 der „Spiegel“-Bestsellerliste.
Dass Grönemeyer Arzt wurde, verdankt sich auch seiner Familiengeschichte: die ist mütterlicherseits bestimmt von Ärzten, Krankenschwestern und Physiotherapeuten. Er selbst befindet sich in der sechsten Generation von Ärzten. Dabei wurde er als Kind beim Blutabnehmen fast immer ohnmächtig, wenn er auch nur eine Spritze sah...
Was zeigt: Grönemeyers Weg zur Medizin hat sich nicht von selbst ergeben. Schon seit seiner Kindheit hatte er vielfältige Interessen - „Technik, Sport, Musik und Literatur bis hin zu Philosophien und Religionen“, wie er im ersten Kapitel seines Buchs „Mensch bleiben“ schreibt. Jahrelang dachte er eher daran, Pastor zu werden, weniger daran, in die Fußstapfen des Vaters, eines Bergbau-Ingenieurs zu treten. Obwohl er dann - doch eine Parallele zum Vater - seine Doktorarbeit über Blutströmungen geschrieben hat, der Vater über Ölströmungen, immerhin...
Erst spät also, nach dem Studium der Sinologie und Romanistik in Bochum, begonnen aus seinem kulturellen wie sprachlichen Interesse an China und Frankreich - erst spät, 1976, im Alter von 24 Jahren, hat Prof. Grönemeyer sein Medizinstudium in Kiel begonnen. Über dem Studium der Medizin ist das Pastorale nicht ganz verloren gegangen bei ihm. Ist doch „Mensch sein und Mensch bleiben“ für ihn die größte Herausforderung. Plädiert er doch immer für eine liebende Zuwendung des Arztes zum Patienten, geprägt von Mitgefühl und Barmherzigkeit bis hin zur Begleitung des Sterbens; plädiert er doch immer für eine ganzheitliche Sicht der Gesundheit für Körper, Seele und Geist.
Wobei er sich , etwa in seinem neuen Buch „Lebe mit Herz und Seele“ ausdrücklich auf Jesus als Heiler beruft: als Heiler, der an Seele und Leib geholfen habe; der die Menschen berührt, ihnen Angst genommen und sie therapiert habe. Wie ja in allen Kulturen die Priester immer auch Seelsorger und Ärzte gewesen seien.
Das Ziel, Arzt zu werden und eine Krankheit so schonend wie möglich zu behandeln, dieses Ziel hängt sicher auch mit seinen vielfältig schrecklichen Erinnerungen an Arztbesuche seit Kindertagen zusammen - an Blutabnahmen mit stumpfen Kanülen oder an eine schmerzhafte Nasenspiegelung. Da habe er deutlich gefühlt, schreibt Grönemeyer in seinem Buch „Mensch bleiben“: „Jetzt werde ich Arzt. Es muss doch möglich sein, viele Behandlungen einfacher und sanfter durchzuführen, ohne dass der Patient Angst vor der Prozedur oder den Ärzten hat!“
Fortan bewegte sich sein berufliche Werdegang im Spannungsfeld der modernen Medizin zwischen verständnisvoller Hinwendung zum kranken Menschen und den Möglichkeiten der modernen Medizintechnik. Die Geburtsstunde der Mikro-Therapie war da nicht mehr weit: also eines „minimal-invasiven Verfahrens“, bei dem kleinste Instrumente, kaum dicker als ein Haar, durch kleinste Körperöffnungen zum Herd der Erkrankung geführt werden - und dem Patienten Schmerzen und offene Wunden ersparen.
Prof. Grönemeyer gilt als „Vater“ der Mikro-Therapie, ein Begriff, der 2002 sogar in das Klinische Wörterbuch Pschyrembel aufgenommen wurde. Ihr Prinzip: immer zunächst diejenige Methode wählen, welche die geringsten Nebenwirkungen hat.
Ihr Motto: „Weniger ist mehr - micro is more!“ Das erspart Vollnarkose, stationäre Aufnahme, viele Nebenwirkungen bis hin zu Krankenhausinfektionen, also viele Kosten. Das verringert mit den Schmerzen immer auch die psychische Belastung und beschleunigt den Heilungsverlauf. Erst recht, wenn sich die schonenden Methoden der Mikrotherapie mit uraltem medizinischen Wissens aus Fernost verbinden.
Pluspunkte allesamt, die von den gesetzlichen Krankenkassen immer noch eher selten erkannt und anerkannt werden.
Ansonsten findet Grönemeyer, international renommierter Arzt und Wissenschaftler, „Rückenpapst“, kämpferisch-streitsamer Querdenker und Visionär, wenn es um die Medizin der Zukunft und die Zukunft der Medizin geht - ansonsten findet Prof. Grönemeyer Anerkennung weltweit in geradezu atemberaubendem Ausmaß. Er hält Gastvorlesungen an Universitäten in aller Welt. Er erhielt die Auszeichnungen „Man of the Year“ in den USA im Jahr 2000, „Man of the Millennium“ in England 2003, aus den Händen von Michail Gorbatschow den „World Future Award“. Man ernannte ihn zum „Bürger des Ruhrgebiets“ im Jahre 2000 und zum „Weltbürger“/“World Citizen“ des Jahres 2003.
Was für Grönemeyer überhaupt kein Widerspruch ist:
„Ich bin Weltbürger, Europa ist mein Zuhause, das Ruhrgebiet mein Wohnzimmer“ schreibt er im Epilog „Wohin geht die Reise?“ seines jüngsten Buchs „Lebe mit Herz und Seele. Sieben Haltungen zur Lebenskunst“.
Dieses Buch, das die Einzigartigkeit des Menschen und die Kostbarkeit des Lebens feiert, gilt als sein persönlichstes. Und längst schon wieder als ein Bestseller, ganz oben auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Also einmal mehr begierig gelesen von einer breiten Öffentlichkeit, die wir am heutigen Abend in der räumlichen Überschaubarkeit der Synagoge in Wittlich leider nur begrenzt zulassen können. Fast wie eine kulturelle Mikrotherapie - mit rund 300 Menschen nur ein stark miniaturisierter Querschnitt aus einer übergroßen Nachfrage, die für 1000 Stühle locker gereicht hätte.
Es soll viele schmerzliche Tränen gegeben haben und schiere Fassungslosigkeit gegeben haben bei der Nachricht „Ausverkauft“ und der radikal fehlenden Aussicht auf einen Sitzplatz oder auch nur Stehplatz in der Synagoge.
Da ist es naheliegend, sehr geehrter Herr Prof. Grönemeyer, schon jetzt um eine zweite Chance zu bitten. Also um die Gelegenheit, bei einem der nächsten Festivalveranstaltungen in der Eifel, 2008 oder 2010, in einem größeren Saal an einem anderen Ort Ihnen in festivalgewohnter Größe doch wenigstens 1000 Besucher mit Ihnen zusammenzubringen - immer im Bewusstsein, dass auch diese Raumgröße der ungeheuren Nachfrage nicht gerecht werden dürfte.
Jetzt sind wir aber erst einmal stolz, dass der weltberühmte Gast heute Abend bei uns ist.
Herzlich willkommen an einem jener spirituellen Orte, für die Sie in ihrem jüngsten Buch so leidenschaftlich plädieren - herzlich willkommen beim 7. Eifel-Literatur-Festival, erstmals in Wittlich, in der Synagoge - herzlich willkommen Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer!