Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede zu Pater Anselm Grün

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

für Reinhold Beckmann von der ARD ist er „Deutschlands heimlicher Bestsellerautor“, für andere fast schon ein „un-heimlicher": Pater Anselm Grün, Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg.
Einen „un-heimlichen Bestseller-Autor“ kann man ihn nennen, weil er in 30 Jahren rund 300 Bücher geschrieben hat. Und die wurden weltweit rund 15 Millionen Mal verkauft und in mehr als 30 Sprachen übersetzt.
Allein sein Buch-Klassiker, das Inspirationsbuch „50 Engel für das Jahr“, 1998 erschienen, ist bis heute 1,5 Millionen mal gedruckt worden.
Kein Wunder also, dass Pater Anselm Grün als einer der meistgedruckten, ja meistgelesenen christlichen Schriftsteller der Gegenwart gilt.
Fast über alles hat schon geschrieben:
über Gebet und Glück, über Engel und Liebe, über Bibel und Psychologie, über Gottesbilder und Wüstenväter, über Frauen und Männer.

Einen „heimlichen Bestseller-Autor“ kann man ihn nennen,
- weil er um seine eigene Person wenig mediales Aufhebens macht,
- weil er Talkshows weitgehend meidet und Medienauftritte, die ihn in den Mittelpunkt stellen oder als heilbringenden Guru beweihräuchern wollen.
„Der Popstar unter den Klostermännern“, der „deutsche Glücks-Guru“, „der wohl berühmteste Mönch Deutschlands“ - solche hymnischen Superlative sind ihm, der sich zuallerst als einfacher, bescheidener Mönch versteht, eher peinlich.
Ist für Anselm Grün doch „der Kern des Glücks“, das Geheimnis spirituell inspirierter Lebenskunst die Selbsterkenntnis, der Selbstappell:
„Sei, der du bist - aber kreise nicht ständig um dein Ego. Mach dir nichts vor. Akzeptiere, dass du kein Held bist, und nimm dich nicht so wichtig. (...) Entzieh dich den Erwartungen, die andere an dich stellen. Lebe selbst, und lass dich nicht von äußerem Druck bestimmen.“
Gleichwohl bleibt „unheimlich“ auch nach den Erfolgsmaßstäben der außerklösterlichen Welt:
- wer beständig Bestsellerlisten stürmt,
- wer allerorten und dutzendfach im Monat die Vortragssäle überfüllt,
- wer als Kursleiter und geistlicher Berater für Topmanager auf Jahre ausgebucht ist,
- wer als Cellerar, als wirtschaftlicher Leiter also erfolgreich die wirtschaftliche Verantwortung trägt für ein großes Kloster, für rund 300 Mitarbeiter in über 20 Betrieben - und dabei sogar mit höchst weltlicher Börsenspekulation durchaus vertraut ist.
Die Themafrage des heutigen Abends nach den „Quellen innerer Kraft“,
- wie man Erschöpfung vermeidet,
- wie man positive Energien nutzt und
- wie man die Antennen für Göttliches, Transzendentes auf Empfang hält - diese Themafrage stellt sich am persönlichen Beispiel Pater Anselm Grüns ganz von alleine.

Aber auch die Frage nach den Ursachen des unheimlichen Buch- und Vortragserfolgs seit nunmehr 30 Jahren.
Der Erfolg hat seine Ursache nicht in erst in einem aktuellen Trend zu religiösen Ratgebern, zu spirituellen Lebenshilen, in einem Boom christlicher Literatur in den letzten zwei, drei Jahren.
Da muss mehr dahinter sein.
Offensichtlich schreibt da jemand, der die Sorgen, Nöte und Fragen der Menschen kennt, weil er eben selber mitten im Leben steht.
Es schreibt da jemand, der mit der alten Weisheit der Bibel und der christlichen Tradition die Menschen von heute erreicht,
- weil er einfach und verständlich, anschaulich und lebensnah schreibt,
in bewusster Abkehr von theologischer Wissenschaftssprache;
- und weil er den Menschen Mut macht, aus dem Glauben heraus die Probleme des Alltags anzupacken, ihr Leben zu verwandeln.
Anselm Grüns Wort von der „geerdeten Spiritualität“, seine Kurzdefinition von Lebenskunst, ist da von zentraler Bedeutung.
Nicht einfach weltenferne Himmelsstürmerei und nicht einfach Verharren im Hier und Jetzt.
Sondern ein Leben in der spannungsvollen Balance von Bodenhaftung und Offenheit, von Erdverbundenheit und Jenseitsorientierung.
Mönch und Manager, geistlicher Berater und Kursleiter und eben - heimlicher oder unheimlicher Bestseller-Autor - wir können stolz sein, dass so einer auch Eifeler Wurzeln hat. Pater Anselms Mutter stammt aus Dahlem, und sein Vater kam nicht weit davon zur Welt.
So ist es denn heute auch ein wenig ein Heimkehr, eine Heimkehr zu Eifeler Wurzeln, wenn wir ganz herzlich willkommen heißen beim 7. Eifel-Literatur-Festival 2006 in Wandalbert-Hauptschule zu Prüm - Pater Dr. Anselm Grün aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach bei Würzburg.
Herzlich willkommen - wie sie alle, liebe Besucher des Abends. -