Von April bis Oktober 2016

Einführungsrede zu Elke Heidenreich

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Wenn Hansdampf eine junge Frau wäre, er könnte nur Elke heißen. Und die wäre nicht länger in allen Gassen, die wäre in allen Studios zu Hause.Was heißt hier wäre? Elke Heidenreich (...) ist in allen Studios zu Hause. Hörfunk macht sie und Fernsehen, Talkshow und Plattenplauderei, Pop und Politik, Sozialreportage und Satire - es gibt wohl kein Trapez im öffentlich-rechtlichen Medienzirkus, auf das sie sie sich nicht zu schwingen traute. Und womöglich schaut sie erst hinterdrein, ob überhaupt ein Netz aufgespannt war. Ein Wunderwesen? Ganz im Gegenteil. Die junge Frau, vor kurzem neununddreißig geworden, besteht hartnäckig auf ihrer Natürlichkeit.“
Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Hans-Dieter Seidel so sein Porträt von Elke Heidenreich im Magazin der FAZ begann.
Dieses Magazin gibt es schon lange nicht mehr,
und Elke Heidenreich ist auch inzwischen etwas mehr als 39 Jahre alt
- aber ihre unglaubliche Vielseitigkeit, ihre enorme Vitalität und Natürlichkeit hat sie sich bis auf den heutigen Tag bewahrt.
1982, vor 25 Jahren - da war sie medienbekannt als freie Mitarbeiterin für Rundfunk und Printmedien.
Da hatte sie schon Hörspiele geschrieben, mehrere Fernsehspiele und Serien.
Da hatte sie die Talkshows „Kölner Treff“ im WDR, „Leute“ im SFB und „live aus der Oper“ im ZDF moderiert.
Da war sie, seit 1976, einem Millionenpublikum bekannt durch die Rundfunkfigur Else Stratmann, die schnoddrige Metzgersgattin aus dem Kohlenpott, aus Wanne Eickel. Die einen Gatten hatte namens Willi, eine Tochter namens „unser Inge“, eine gepflegte Dauerwelle - und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sie wusste grundsätzlich alles besser, wenn sie über Gott und die Welt, über die Welt der Frau oder über die Welt der Fürsten losschnatterte, über Heim, Familie und Frauenherz oder über die Königin von England, über Lisbett, Änne, Schaals, Diana, Filipp und Lisbett seine Mutter - in einer Mischform aus Kohlenpott-Slang und Hochdeutsch, verständlich für jedermann.
1982 -da standen Else Stratmanns Fernseh-Kommentare zu den Olympia-Übertragungen aus Los Angeles 1984 und Seoul 1988 erst noch bevor.
Von den berühmt gewordenen Kolumnen in der Frauenzeitschrift „Brigitte“, von 1983 bis 1999 erschienen, existierte vielleicht noch nicht einmal das legendäre Anfangswort „Also...“.
2006, fast ein Vierteljahrhundert später, 2006 hat sich der „Hans Dampf in allen Mediengassen“ Elke Heidenreich längst schon etabliert
- auch als erfolgreiche Erzählerin,
- als Meisterin der kleinen Form,
- mit unterhaltsamen wie nachdenklichen Geschichten
aus dem Alltag,
- mit „Lebens- und Liebesgeschichten aus unserer Zeit
und über unsere Zeit“,
- in beständiger Balance zwischen Komik und Melancholie.
- So einfallsreich und phantasievoll, dass sie nie
langweilig werden, „aber auch mehr als bloß kurzweilig“, wie es Lutz Tantow einmal in der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb.
Verständnisvoll wie ihre Brigitte-Kolumnen, humoristisch wie das Kinderbuch vom Kater „Nero Corleone“ und so zeitgemäß wie ihre Talkshow.
Wir begrüßen also die erfolgreiche und auch von der Literaturkritik gefeierte Autorin Elke Heidenreich - wie schon 2003, als wir in Prüm den „Rudernden Hunden“ lauschen durften, während der Publikumszustrom, erstmals in der Geschichte des Festivals, genau an diesem Ort fast zu einem Fluss ohne Ufer wurde.
Wir begrüßen natürlich auch die leidenschaftliche Leserin, ja die Missionarin der Leselust, die mit ihren Brigitte- Buch- und Hörbuch-Editionen Millionen von Lesern erreicht,
erst recht mit Ihrer ZDF-Sendung „Lesen!“.
Als sie im Mai 2003 in Prüm zu Gast war, gemeinsam mit ihrem Schreibpartner Bernd Schroeder, da war gerade mal die erste Sendung über den Bildschirm geflimmert. 21 Sendungen sind seither ausgestrahlt worden, mit jeweils rund 1,6 Millionen Fernsehzuschauern. Keiner ist erfolgreicher unter den Buchvermittlern im deutschen Fernsehen.
Und vielleicht werden wir eines Tages in einer großen Enzyklopädie verewigt finden den Begriff „Heidenreich-Effekt“ - auf den so viele Verlage bauen und dem so viele Leser vertrauen.
„Heidenreich-Effekt“ - also jene geradezu legendäre Schubkraft, die fast alle von Ihnen präsentierten Bücher flugs auf die Bestseller-Listen katapultiert. Weil da jemand empfiehlt mit Leidenschaft und Emotion, überzeugt und überzeugend mit jeder Faser ihres Herzens - und verständlich für jedermann.
Wer könnte besser unser Eifel-Literatur-Festival 2006 eröffnen als jemand, der immer wieder leidenschaftlich vom Glück des Lesens geschwärmt hat, als eine Frau, die bekannt hat: „Ich lese - und dabei - bin ich am glücklichsten.“
Herzlich willkommen zum Auftakt des 7. Eifel-Literatur-Festivals 2006 in Prüm, vor historischer Rekordkulisse in der Aula der Wandalbert-HS, auch hier und heute Abend Garant für Rekord-Quoten,
herzlich willkommen - Elke Heidenreich.-