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Große Politik in Prüm: Herfried Münkler begeistert 440 Zuhörer in der ausverkauften Karolingerhalle Prüm
Es war ein Abend der großen Geopolitik im Herzen der Eifel: In der Karolingerhalle Prüm überzeugte Herfried Münkler bei der fünften und zugleich vorletzten Lesung des 17. Eifel-Literatur-Festival die rund 440 Zuhörer mit einer fundierten Analyse der aktuellen gepolitischen Rahmenbedingungen und einem Postulat für Deutschlands zukünftige Schlüsselrolle.
Prüm. Wenn wir die Nachrichten einschalten, blicken wir oft auf eine Welt, die aus den Fugen geraten scheint. Um diese komplexen globalen Verschiebungen zu verstehen, braucht es mehr als nur prägnante Schlagzeilen – es braucht den tiefen, historischen und analytischen Blick.
Beststeller-Autor mit einmaligem Lehrauftrag in der Eifel
Münkler, der jahrzehntelang am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin die Theorie der Politik lehrte, überschreitet mit seinen Werken regelmäßig die Grenzen traditioneller Fachdisziplinen und verbindet politische Theorie, Geistesgeschichte und aktuelle Analyse zu einem verständlichen, oft provokanten Blick auf die Gegenwart. Sein Name steht für ein engagiertes, zugleich wissenschaftlich fundiertes Denken über Macht, Krieg und Ordnung in der Welt.
Im Zentrum seines Vortrages im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals stand die Thematik, die auch sein jüngstes Sachbuch „Macht im Umbruch. Deutschlands Rolle in Europa und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“ fokussiert. Münkler lotetet mit weitsichtigen Rückgriffen auf die Historie der Länder die aktuellen geostrategischen Bedingungen unserer Zeit aus und stellt zur Diskussion, wie Deutschland und Europa in einer Welt bestehen können, in der alte Gewissheiten zerfallen und neue Machtkonstellationen entstehen. Hierbei fordert er ein, dass die Bundesrepublik, als größte Wirtschaftsmacht Europas, strategische Verantwortung übernehmen muss, um den Kontinent zu stabilisieren und politisch handlungsfähig zu machen. In diesem Sinne gibt er der Bundesregierung aus Prüm auch mit auf den Weg nicht so viel zu reden, sondern einfach mal zu machen.
Die Forderung für Deutschland: Weniger Reden, mehr Tun.
Im persönlichen Bühnengespräch mit Festivalleiter Dr. Johannes Zierden gab Münkler unter anderem an, dass die Betrachtung der Vergangenheit unerlässliches Mittel zur Prognose der gegenwärtigen Entwicklungen sowie zum Verständnis der Handlungsmuster diverser aktueller Regierungschef sei. Teilweise sei in den aktuellen Weltmächten das Bestreben einer Rekonstuktion der Zustände vergangener Zeiten deutlich in ihrem aktuellen Staatslenken festzustellen, das sich nur durch eine profunde Kenntnis der Geschichte plausibilisieren ließe und im besten Fall dazu führe, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht erneut wiederholen. Die Tücken der Gegenwart seien auch darin zu sehen, dass alte und vermeintlich etablierte Gewissheiten, insbesondere in der internationalen Politik, wegfielen und eine allein wirtschaftspolitisch orientierte und konsensuale Außenpolitik Deutschlands gegen andere Großmächte wie den USA und Russland nicht mehr verfangen würde. Daher sei es der aktuellen Bundesregierung angeraten, einfach weniger zu reden und mehr zu machen, um ihre Funktion in der Europäischen Union und der Weltpolitik nicht zu gefährden.
Kurzum: Ein äußerst informativer Abend auf hohem Niveau, das jeden Interessierten an Politik im Allgemeinen und Geopolitik und deren aktuellen Herausforderungen im Besonderen wunschlos glücklich zurückgelassen hat.
Dr. Johannes Zierden
