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14.03.2026

Große Literatur in Gerolstein: Martina Hefter begeistert 300 Zuhörer im Rondell zu Gerolstein mit buchpreisprämierter Literatur

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Es war ein Abend der großen Lyrik in der Vulkaneifel: In der Stadthalle Rondell Gerolstein überzeugte Martina Hefter bei der zweiten Lesung des 17. Eifel-Literatur-Festival die rund 300 Leser mit feinsinniger Romanliteratur sowie zwei Gedichten aus ihren Gedichtbänden.

Gerolstein. Wenn sich die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024, Martina Hefter, aus Leipzig auf den Weg in die Vulkaneifel macht, dann nur für das Eifel-Literatur-Festival und mit einem klaren Ziel: die rund 300 Zuhörer am Freitagabend bei der zweiten Lesung des 17. Eifel-Literatur-Festivals 2026 als Autorin und mit ihrem preisgekrönten Werk „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ zu überzeugen.  

Ein feinsinniger Abend zwischen Roman und Gedichtband

Mit Martina Hefter durfte Festivalleiter Dr. Johannes Zierden eine der eigenständigsten und zugleich berührendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in der Vulkaneifel begrüßen. Die in Leipzig wohnhafte Martina Hefter ist Schriftstellerin, Lyrikerin, Essayistin und Performancekünstlerin. Ihre Texte entstehen an der Schnittstelle von Körper, Sprache und Bewusstsein, von Nähe und Distanz, von digitaler Kommunikation und existenzieller Einsamkeit. Was sie schreibt, ist nie bloß Erzählung – es ist Erfahrung, Bewegung, manchmal auch Widerstand. Und das durften auch die Zuhörer vor Ort erfahren, die aufgrund Hefters feinsinnigem Vortrags- und Erzählstil, ihren Anekdoten zu Hintergründen des Romans und den verschrobenen Eigenheiten der Charaktere, wie der Sammlung von toten Kleintieren durch die Protagonistin, das Publikum zu vielfachen Lachern bewegten.

Wenn man sich ihre Werke, für die Hefter in der Vergangenheit bereits zahlreiche Stipendien und Förderungen erhalten hat, betrachtet, so lässt sich ein zentrales, übergeordnetes Motiv ihrem literarischen Schaffen entnehmen: Die Fragilität des menschlichen Seins – im Spannungsfeld von Körperlichkeit, Alltagsbewältigung und Eskapismus. Ihre Figuren und lyrischen Ichs reiben sich an der Schwere der Realität auf und suchen nach Auswegen durch Bewegung, Spiel und Täuschung. 

So auch der im Jahr 2024 zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“. Er handelt von Juno, die sich nachts mit sog. Love-Scammern austauscht, Leuten, die falsche Liebe vortäuschen, um sich auf Kosten ihrer Opfer zu bereichern  – nicht aus Naivität, sondern aus einem tiefen Bedürfnis nach Kontakt, Nähe, Spiel und Spiegelung – und auch um ihrem realen Alltag zu entfliehen, in dem sie ihren, an Multipler Sklerose erkrankten Mann, pflegen muss. Aus scheinbar beiläufigen Chats entfaltet Hefter eine literarische Erkundung von Fürsorge, Täuschung, Sehnsucht und Würde. Es ist ein Buch über das Schreiben selbst – und über das Überleben im Gespräch.

Buch: Hey guten Morgen, wie geht es dirIm persönlichen Bühnengespräch gab Hefter an, dass die Idee zur Thematik des Love-Scamming durchaus autobiographische Elemente habe mit einfließen lassen; auch sie habe in der Vergangenheit des öfteren über Social Media mit Scammern geschrieben, sei aber niemals auf diese hereingefallen. Weiterhin gab sie an, dass ihr literarisches Herz sowohl für Romane als auch für Gedichte schlage und der Deutsche Buchpreis 2024 ihr Art zu schreiben nicht beeinflusst habe, und sie sich selbst bei ihrem literarischen Wirken treue geblieben sei. 

Im Rahmen der Lesung betonte Festivalleiter Dr. Johannes Zierden Martina Hefters Verbindung in die Eifel, zum Eifel-Literatur-Festival und insbesondere zu dem, im Oktober 2025 verstorbenen Festivalgründer Dr. Josef Zierden. Dieser kommentierte Martina Hefter bereits seit 2014 im Kritischen Lexikon zur Deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG) – einem der bedeutendsten Literaturlexika in deutscher Sprache – und dies bereits 10 Jahre bevor Martina Hefter mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. 

Herzliche Begrüßung in der Vulkaneifel 

Nach dem herzlichen Grußwort den durch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gerolstein Hans Peter Böffgen , der Dr. Johannes Zierden auch einen Präsentkorb mit allerlei Köstlichkeiten der Vulkaneifel überreichte, übernahm Festivalleiter Dr. Johannes Zierden die Einführung in die Autorin und das Werk des Abends. Ebenfalls an alle Besucher des Festivals verteilt wurden die Gedenkhefte zum Leben und Wirken von Dr. Josef Zierden mit herausragenden Stimmen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, von Ministerpräsident bis Nobelpreisträgerin. Am Ende der Veranstaltung erfolgte – traditionsgemäß – die Überreichung des unvermeidlichen Nelches-Birnenbrand von den Streuobstwiesen der Eifel als Dankeschön an Martina Hefter. Diese nahm sich auch im persönlichen Gespräch mit den rund 300 Zuhörern im Rahmen der anschließenden Signierstunden Zeit für die begeisterten Leser von nah und fern. 

Dr. Johannes Zierden

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