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Einführungsrede zu Jan Weiler in Prüm

Dr. Josef ZierdenVon Dr. Josef Zierden

Sehr geehrte Damen und Herren,

zehn Jahre sind eine lange Zeit.

Zehn Jahre sind es her, dass Jan Weiler zum ersten Mal Gast des Eifel-Literatur-Festivals war, im Oktober 2008 im Cusanus-Gymnasium Wittlich.

Da hatten gerade die Dreharbeiten zur Verfilmung von Jan Weilers Roman-Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ begonnen.

Jene fröhliche Liebeserklärung an die feierfreudige italienische Großfamilie, in die Jan Weiler 1996 eingeheiratet hat. Mit dem Schwiegervater Antonio Marcipane, dem südländisch, temperamentvoll-anarchischen Patriarchen mit seinem ansteckend-lustigen Trappatoni-Deutsch. 2008 in Wittlich - da war Jan Weiler aber auch schon zu neuen literarischen Ufern aufgebrochen: mit seinem Roman „Drachensaat“ über fünf ganz normal Verrückte, in deren Leben irgendwann mal etwas richtig schiefgegangen ist.

In das Reich der Pubertiere tauchte Jan Weiler bei seinem dritten Festival-Gastspiel in der Eifel ein, im Mai 2016 in der Bitburger Stadthalle.

Im zweiten Band der Reihe „Im Reich der Pubertiere“ erzählte Jan Weiler als lange ersehnte Fortsetzung, wie der Wahnsinn in der Familie weitergeht. Nachdem der Vater es inzwischen nicht nur mit einem weiblichen, sondern auch mit einem männlichen Exemplar der Gattung zu tun hat.

Zwei Jahre und ein Pubertier-Buch weiter, 2018, hält das Pubertier die Welt einmal mehr in Atem - wenn es denn erst einmal wach ist. Gelten doch Chillen, Relaxen und Ausruhen als die Hauptcharakteristika der Gattung „Pubertier“. Die Kinder Carla und Nick werden immer größer. Carla entwächst zunehmend der Pubertät, macht schon den Führerschein und nervt den Vater als kritische Beifahrerin mit Fahrschullehrer-Attitüden. Sohn Nick tanzt dem Vater lautstark auf der Nase herum - wie das Buchcover zeigt. Und hat doch kindliche Angst vor dubiosen Abofallen, die wie Flöhe die Handys zu befallen scheinen.

Im täglichen Umgang mit schwer zu bändigenden und schwer zu verstehenden Exemplaren der Gattung „Pubertier“ wird das Familienleben so zu einer aufregenden Safari. Freilich nicht im fernen Afrika - sondern zuhause: in Küche und Wohnzimmer, im Keller, im Bad oder im Schlafzimmer oder in Partykellern der Umgebung oder in der Schule.

Der akribisch beobachtende und sezierende Pubertier-Vater kommt Kreaturen auf der Spur, die sehr eigensinnig, zuweilen widerborstig und fast durchweg komisch sind. Unter wissenschaftlichen Laborbedingungen untersucht der Vater als Versuchsleiter Grundfragen des Pubertier-Daseins:

Wie sich männliche Pubertiere in Vielfraße und Tansanische Teufeln verwandeln unter dem Einfluss höchst stimulierender Monster-Energydrinks.

Wie sich frühmorgens schwer zu diagnostizierende multisymptomatische Spontanerkrankungen zeigen, die erst nach der vierten Schulstunde wundersam heilen - gleichsam wie von selbst.

Besonders eindrucksvoll sind Weilers Schilderungen der ersten Liebesbeziehungen in Zeiten unentwegt brummender und fiepender Smartphones.

Im digitalen Zeitalter beginnt und endet da nach wenigen Tagen und vielen SMS- und Emoticon-Gewittern, was in analogen Zeiten viele Wochen, Monate und Jahre Bestand gehabt hätte.

Wie überhaupt die Kontrastierung der analogen Vaterwelt von einst mit der durchdigitalisierten Pubertierwelt von heute immer wieder reizvoll ist. Ebenso wie die kolumnistischen Ausflüge in die Welt der Schule, die den Vater zu satirischen Bemerkungen über die Bundesjugendspiele und Schulsport, über Elternsprechtage  und Elternabende und über traumatisierende Outfits von Lehrerinnen und Lehrern inspirieren.

So nervig die Pubertiere auch sein mögen zuweilen, wenn sie sich in Lamentiere, Boykottiere und vor allem in Diskutiere verwandeln: In der liebevollen Edelfeder von Jan Weiler und erst recht in seiner hinreißenden Bühnenperformance werden daraus humoristische Geschichten und eine zwerchfellerschütternde Bühnenshow.

Herzlich willkommen beim 13. Eifel-Literatur-Festival 2018,

herzlich willkommen in der Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm, die heute Abend mit dem großen, gärenden Pubertier-Zoo zu einer Schule des Lebens werden kann -

herzlich willkommen der Mann, der weiß, wie Pubertiere ticken: der Kolumnist und Bestsellerautor Jan Weiler. ***