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Einführungsrede zu Elke Heidenreich am 27. April 2018 in Bitburg

Von Dr. Josef Zierden

Dr. Zierden bei der Einführungsrede zu Elke HeidenreichSehr geehrte Damen und Herren,

Elke Heidenreich, die Bestseller-Autorin und Missionarin der Leselust - sie ist schon Stammgast des Eifel-Literatur-Festivals.

Im Mai 2003 war es, dass wir in Prüm das erste Mal beim Eifel-Literatur-Festival Elke Heidenreich und Bernd Schroeder lauschen konnten - und ihren „rudernden Hunden“. Rudernd auf einem Meer von erfundenen und erlebten Geschichten, umgeben von liebenswerten Käuzen, von sonderbaren Spinnern und tollpatschigen Verehrern. Herrlich komisch und immer wieder ergreifend traurig.

Wenige Tage zuvor, am 29. April 2003, hatte Elke Heidenreich durch ihre erste ZDF-Sendung „lesen“ geführt, von 2,5 Mio. Zuschauern am Bildschirm verfolgt. Eric-Emmanuel Schmitts „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ trat damals seinen Siegeszug in den Bestsellerlisten an. „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery erklang als Hörbuch, gelesen von Ulrich Mühe - dem großen Schauspieler, der im Juli 2007 gestorben ist.

Mit gerade mal 30 ZDF-Minuten, sechs- bis achtmal im Jahr, schaffte es Elke Heidenreich, Leute ans Lesen zu kriegen, „die Angst haben vor dicken Büchern oder davor, dass sie den Namen des Autors falsch aussprechen“. Es gelang ihr, „Leute ans Lesen zu bringen, die noch nie gelesen haben“. Leidenschaftlich weckte sie die Lust am Lesen. Buchtitel um Buchtitel katapultierte sie auf die ersten Plätze der Bestsellerlisten. Wie keine Zweite hat sie im Fernsehen Menschen für Bücher begeistert.

Wir wissen: seit fast zehn Jahren, seit Oktober 2008 ist das leider Vergangenheit. Damals nahm das ZDF Querelen um den Deutschen Fernsehpreis für Marcel Reich-Ranicki zum Anlass, ihre so erfolgreiche Fernsehsendung einzustellen. Seither beherrschen eitel-elitäre und zuweilen zynische Literaturkritiker die Mattscheibe, die herzlos - und nicht nur metaphorisch - Bücher massenhaft in die Tonne treten. Quotenarm um Mitternacht.

Dabei wäre eine Elke Heidenreich mit ihrer Sendung „lesen!“ heute notwendiger denn je in einer Zeit, in der dem Buchhandel in Deutschland Millionen von Lesern verloren gegangen sind und in der das Buch an sichtbarer Präsenz verliert.

So freuen wir uns umso mehr, dass wir Elke Heidenreich nach 2003, 2006 und 2010 heute Abend zum vierten Male beim Eifel-Literatur-Festival begrüßen können.

Mit einem Buch, bei dem mich schon das Cover entzückt und in meine Kinderjahre entführt hat. Ist doch der gelb-schwarze Feuersalamander darauf abgebildet, dessen aufregende Abenteuergeschichten ich einst in schmalen, bunten Lurchiheften verschlungen habe. Mit einprägsam gereimten Texten in Schreibschrift für das Grundschulalter. Eigentlich ein Köder des Schuhherstellers Salamander im baden-württembergischen Kornwestheim, die Kinder ins Schuhgeschäft zu locken oder beim Schuhkauf der Erwachsenen zu beschäftigen.

In dem Buch des heutigen Abends, „Alles kein Zufall. Kurze Geschichten“, lebt die frühe Erinnerung an die Abenteuer des tapferen Salamanders fort - ebenso wie frühe Mädchenträume von roten Lackballerinas oder schneeweißen Mokassins.

„Lurchi“ ist diese kurze Geschichte betitelt. Sie ist eine von rund 190 kurzen und Kürzestgeschichten des Buchs, von zwei Zeilen Umfang bis zu zwei Seiten. 234 Erzählseiten insgesamt, alphabetisch gegliedert nach den Anfangsbuchstaben der Erzähltitel. Ein streng anmutendes Ordnungskorsett, in dem sich das Alphabet des Lebens aber umso bunter, abwechslungsreicher und überbordender entfalten kann. Als blättere jemand im Zettelkasten seines Lebens und stoße in kurz notierten Sätzen und Szenen, Begegnungen und Personen umrisshaft auf den Roman seines Lebens, in anregender Vermischung von Fakten und Fiktion.

Erinnerungen und Sehnsüchte, Glück und Unglück, Ernstes und Heiteres, Lachen und Weinen, Geschichten um Kindheit und Jugend, über Altern und Sterben: in kleinen Geschichten werden große Lebensthemen pointiert erzählt. Um Freundschaft und Liebe geht es da, um Hoffnung und Zuversicht - und zuweilen um die quälende Ausweglosigkeit des Lebens. Mit viel Sympathie für unverwechselbar eigensinnige Zeitgenossen, jenseits des angepassten Einerleis.

Von einer „grandiosen Liebeserklärung an das Leben mit all seiner Tragik und Schönheit“ sprach treffend die Frauenzeitschrift „Brigitte“.

Herzlich willkommen beim 13. Eifel-Literatur-Festival 2018,

herzlich willkommen in der Stadthalle zu Bitburg: die umtriebige Powerfrau und wunderbare Erzählerin und Vortragskünstlerin Elke Heidenreich. Und mit ihr als kongenialer musikalischer Begleiter des Abends: ihr Lebensgefährte, der Komponist und Pianist Marc-Aurel Floros.