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Peter Wohlleben am 13. April 2018 in Prüm

Einführungsrede von Dr. Josef Zierden

Dr. ZierdenSehr geehrte Damen und Herren,

für Millionen von Lesern ist Peter Wohlleben „der Star des deutschen Waldes“, der „Walderklärer“, der „Baumversteher“ schlechthin.

Dass ein Förster aus der Eifel, aus der kleinen Gemeinde Hümmel an der Ahr inzwischen als Deutschlands berühmtester Förster gilt,

ja dass er mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ 2015 einen Welt-Bestseller gelandet hat, das ist eine beispiellose Karriere.

Die ist so staunenswert wie erklärungsbedürftig.

Es ist die Karriere eines Mannes, der sich schon als Kind für die Natur begeisterte, der sich früh schon im Wald herumtrieb und am Baggersee. Und der als Jugendlicher etwa mit dem Heizkissen der Oma ein Küken ausbrütete, was allenfalls zwei Tage lang lustig gewesen sei. Dann habe ein Englischlehrer es für ihn aufziehen müsse. So sei er früh „das grüne Schaf der Familie“ gewesen, sagte er einmal lachend in einem Interview.

Waldhüter wollte der kleine Peter werden. Und weil es das als geschützte Berufsbezeichnung nicht gab, wurde er Förster. Ohne zunächst viel infragezustellen. „Ich dachte, Kahlschläge, Insektizide und schwere Erntemaschinen gehören zu meinem Job“, blickte er auf seine Berufsanfänge seit 1987 zurück. Und ja: anfangs habe er „Bäume nur als Bretter gesehen“ und nicht, was sie ja in Wirklichkeit seien: als wunderbare Lebewesen.

1991 erhielt Peter Wohlleben eine Stelle in der Landesforstverwaltung - als Förster in der kleinen Eifelgemeinde Hümmel unweit von Adenau und Bad Münstereifel.

Je länger er im Wald arbeitete, je stärker er den Besuchern bei unzähligen Waldführungen das Ökosystem nahebrachte, desto kritischer wurde er. 2007 rechnete Peter Wohlleben in seinem ersten Buch überhaupt mit dem Titel „Wald ohne Hüter“ ab mit "Industrieplantagen aus Nadelbäumen“; mit dem Siegeszug von Forst-Maschinen, die den Waldboden schwer schädigen; mit „Kahlschlagsförstern“ und überhaupt mit der „Allianz aus Jägern und Forstverwaltungen, die das grüne Drittel unseres Landes im Würgegriff“ halte.

Als dieses erste Buch von Peter Wohlleben erschien, im Jahre 2007, da hatte der studierte Forstwirt nach 23 Jahren bereits seine sichere Beamtenstelle in der Landesforstverwaltung gekündigt, im Jahre 2006. Fortan arbeitete er als angestellter Förster für die waldbesitzenden Gemeinden Hümmel und Wershofen und forcierte „seine Vorstellung eines ökologisch wie ökonomisch vertretbaren Naturschutzes“, seine Vorstellung eines umweltfreundlichen Forstbetriebs in der Eifel.

Denn er hatte sich daran erinnert, dass er schon als Kind Naturschützer hatte werden wollen - und nicht Naturzerstörer.

Und Forstwirtschaft, sagte er, sei „halt letztendlich Holzproduktion. So wie der Metzger keine Tiere pflege, so pflege der Förster keinen Wald. Kein Wunder, dass klassische Förster und Jäger und Peter Wohlleben keine Freunde mehr werden.

Was den literarischen Durchbruch von Peter Wohlleben angeht, so ließ der noch lange auf sich warten. Was nicht an seiner schriftstellerischen Produktivität lag. Denn von 2007 bis 2014 veröffentlichte er, fast Jahr für Jahr, bereits 10 Bücher: Mehr für ein Fachpublikum, oft mit starkem Praxisbezug und immer mit denkbar kleinen Auflagen. Aber immer kritisch mit den Themen „Umweltschutz“ und „Forstwirtschaft“.

Und doch schon mit vielen Erzählansätzen, die seinen ersten wirklichen Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ des Jahres 2015 so stark auszeichnen sollten. Gerade mal 3000 Auflage habe der Verlag geplant gehabt, sagte Wohlleben. Aber dann sei das Buch durch die Decke gegangen. „Das geheime Leben der Bäume“: Es hat Bestsellergeschichte geschrieben in Deutschland und weltweit. Es wurde in Deutschland das meistverkaufte gebundene Sachbuch des Jahres 2015 und das meistverkaufte gebundene Sachbuch des Jahres 2016. Ein solcher Coup war zuletzt nur Hape Kerkeling gelungen, 2006 und 2007 mit dem Pilgerbuch „Ich bin dann mal weg“. Aktuell liege die Gesamtauflage der Wohlleben-Bücher bei 1,4 Mio. Exemplaren, vermeldete das „börsenblatt des deutschen Buchblatts“ Mitte Februar 2018. Und das Fachmagazin „buchreport“ verkündete jüngst: Sogar in Frankreich sei der Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“, erst im März 2017 erschienen, sogleich Jahresbestseller geworden. Sogar international macht also dieses Buch Karriere, inzwischen in über 40 Ländern. Sogar in Island, wo es fast keinen Wald gebe, wie Wohlleben einmal amüsiert feststellte. Und immer noch, seit fast 150 Wochen schon, steht es ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste Hardcover Sachbuch. Da kann es nur einen geben, der das „Geheime Leben der Wälder“ vom Bestsellerthron stürzte: zunächst Wohllebens Bestsellerbücher 2 und 3 - „Das Seelenleben der Tiere“ (2016) und „Das geheime Netzwerk der Natur“ (2017).

Bücher allesamt, die neugierig machen auf geheime, auf verborgene, auf staunenswerte Naturwelten. Die nicht vorgeben, die Natur in Gänze zu verstehen. Die mit Emotionalität und Vermenschlichung, mit anschaulichen Vergleichen, Metaphern und Analogien arbeiten und mit allgemeinverständlicher Sprache, um jedermann einen einfachen Zugang zu Bäumen und Tieren zu eröffnen. Faktenreich, eloquent und unterhaltsam. Peter Wohlleben habe „dem Wald die Seele zurückgegeben“, hieß es in der renommierten „Süddeutschen Zeitung“. Und der Literaturkritiker Denis Scheck schrieb im Berliner „Tagesspiegel“, dass jeder Leser des Wohlleben-Buches fortan den Wald mit anderen Augen sehen werde.

Über das Erfolgsgeheimnis der Wohlleben-Bücher ist viel gerätselt worden, zuletzt sogar in seinem Buch über Bestseller. Ob es an der besonderen Beziehung der Deutschen zum Wald als Sehnsuchtsort liegt. Ob die Zuflucht zur Natur eine Reaktion auf die Krisen in der Welt ist. Ob Wohllebens Wald ein Gegenmodell zu unserer heutigen Gesellschaft ist, wenn er von Entschleunigung, Mitgefühl und Solidarität geprägt ist. Oder ob seine Bücher uns im wahrsten Sinne des Wortes zurückführen zu den Wurzeln.

Wir lassen es dahingestellt sein.

Genug, wenn es den Wohlleben-Bestsellern deutlich zu machen gelingt: Die Natur ist unser größte Schatz. Und genug, wenn wir mit der „Stuttgarter Zeitung“ feststellen können: Peter Wohlleben hat den Deutschen den Wald wieder zurückgegeben.

Herzlich willkommen beim 13. Eifel-Literatur-Festival 2018, herzlich willkommen in der Aula der ehemaligen Hauptschule der Waldstadt Prüm: Deutschlands liebster Walderklärer und Walddolmetscher, der Eifeler aus Überzeugung: Peter Wohlleben aus Hümmel an der Ahr. -