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Vom Urknall bis zum ersten Menschen: 13,8 Milliarden Jahre im fesselnden Erzählstrom

15.09.2018

Raoul SchrottGestern Abend in Bitburg, Haus Beda, vor mehr als 200 Besuchern: Raoul Schrott ist Gast des Eifel-Literatur-Festival, mit einem Herkulesprojekt: „Erste Erde, Epos“, die Entstehung unseres Universums, vom Urknall bis zum Auftauchen des ersten Menschen.

Ein kühnes, ja fast vermessene Projekt. Gestemmt in sieben Arbeitsjahren. Erzählt auf rund 850 Buchseiten, ein anderthalb Kilo schwerer Wälzer. Mit Reisen zu den fesselndsten Fundorten weltweit und Begegnungen mit führenden Forscherpersönlichkeiten. Anschaulich, fesselnd, akribisch genau erzählt - Erdgeschichte in Lebensgeschichten. Mit Ausflügen in Zeiten, die niemand gesehen hat, und mit Phänomenen, für die erst einmal eine bildhafte Sprache gefunden werden musste. Dem österreichischen Schriftsteller ist das gelungen. Und gestern Abend in Bitburg erzählt er davon in freier Rede: souverän, unterhaltsam. Wie er auf die Idee zu seinem literarisch-wissenschaftlichen Traumprojekt gekommen ist. Wie das sprachlich angemessen zu bewältigen war - in einer Mischform zwischen Prosa und Gedicht. Wie er schwammartig alles aufgesagt hat, was die Forschung an Wissen zum Thema zusammengetragen hat. Wie es galt, Komplexität unkompliziert zu erzählen. Ohne nennenswert von sich selber zu reden.

Um die Beziehung zwischen Welt, Mensch und Wissen ging es ihm. Und um die Frage: Wie ändert sich mein Blick auf die Welt nach Durchdringen ganzer Berge naturwissenschaftlichen Wissens. Wie konnte man etwa biothermische Prozesse überhaupt bildhaft anschaulich beschreiben? Wie den Urknall, ein mathematisch-physikalisches Konstrukt? Der erzählerische Kniff: 28 Hauptpersonen finden, die das Wissen transportieren. An Fundorten weltweit. Sein Fazit am Ende der Arbeit, selbstironisch Coelho-gleich bilanziert: „Wissen Sie, die Arbeit am Buch hat mein Leben verändert.“ Noch zu politischen Exkursen zog er sein immenses Wissen heran. Gerade mal 1,2 Prozent unterscheide den Menschen vom Schimpansen. Die Wiege der Menschheit habe in Afrika gestanden. Schwarz seien die ersten Hominiden gewesen. Das Gen für Weißhäutigkeit sei erst später hinzugetreten. Die Einteilung nach Nationalitäten „deutsch“, „österreichisch“, „luxemburgisch“ sei, mit Blick auf das gemeinsame genetische Programm, „dumm“. Und: „Migration ist das, was uns ausmacht!“ Nach einem kurzen Gespräch mit Festivalchef Josef Zierden ging es ans Signieren. Eine riesengroße Schar von Besuchern wartete bereits. Und vom Wälzer „Erste Erde“ war der große Bücherstapel rasch ausverkauft. Die 18. Veranstaltung des Eifel-Literatur-Festivals 2018: Sie war ein ganz besonderer Abend in der 24 jährigen Festivalgeschichte.

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