Einführungsrede Berndorf & Kramp am 10.10.2008 in Adenau

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Ahr war sein Schicksal.
Vor fast einem Vierteljahrhundert, zu Anfang des Jahres 1984, kam der Journalist Michael Preute von München in die Eifel: zunächst zu Recherchen zum Bunker der Bundesregierung im Ahrtal.
Aber auch, um inmitten einer schweren Lebenskrise in der Stille und Einsamkeit der Eifel zu sich selber zu finden, über alte und neue Leben nachzudenken.
Ein Lebenstief, aus dem der Weg schon bald steil bergan führte. Nicht zuletzt, weil die Eifellandschaft ihn gefangennahm:
- als er Tag für Tag in denWäldern herumrannte,
- den typischen Geruch der Scheunen wiederentdeckte, - den gedämpften Lärm in den Rinderställen, den er als Kind so geliebt hatte, wie er jüngst in seinem ganz persönlichen Eifel-Reiseführer „Gebrauchsanweisung für die Eifel“ geschrieben hat - einer einzigen, einer einzigartigen Liebeserklärung an unsere Eifel.
Die Stille der Eifel-Landschaft tat ihm gut. Er begann, seinen ersten Eifelkrimi zu schreiben: „Eifel-Blues“, 1989 erschienen. Gab sich eine neue Schriftsteller-Identität mit dem Namen des alten Vulkaneifel-Dorfs Berndorf, in dem er Jahre zuvor gestrandet war.

Dreizehn Bindestrich-Krimis weiter und etliche Thriller und Kurzkrimi-Anthologien dazu, 3, 8 Mio. mal gekauft und insgesamt mehr als 250 mal aufgelegt, wissen wir: Dieser Mann war ein Segen für die Eifel.
Mit seinen Krimis hat Jacques Berndorf die Eifel zu Deutschlands Krimilandschaft Nr. 1 gemacht und die Gattung „Regionalkrimi“ in Deutschland erst wirklich zum Erfolg geführt. Längst schon gilt sie als „die beste Serie im zeitgenössischen deutschen Kriminalroman“, so Jochen Schmidt in der FAZ.
Mit spannender Unterhaltung, mit hymnischen Schilderungen der Landschaft und mit liebevoll-ironischen Porträts der eigenwillig-dickschädeligen Bewohner hat er seiner Wahlheimat Eifel nicht nur millionenfach Leser, sondern immer auch treue Freunde gewonnen. Die nicht selten, mit Krimi-Reiseführern gewappnet, auf den Spuren Siggi Baumeisters wandeln: Mord und Totschlag, Erpessung, Drogenhandel oder Schwarzgeldaffären, Müllschieberei oder Kindesmissbrauch auf der Spur - und natürlich immer der stillen Schönheit dieser Landschaft.
Selbst das paradiesische Ahrtal, ein Touristenmagnet seit jeher mit seinen alten Winzerflecken, Weinbergen, Burgen und Felsenpanoramen: selbst das paradiesiche Ahrtal bleibt da nicht länger heile Welt.
Wenn ein Rebstock zur Mordwaffe wird.
Wenn in Kelterhallen blutrot die Leichen in Maischebottichen schwimmen...
Und wenn in Betonlabyrinthen unter Ahrweinbergen dunkle Mächte wimmeln, wie auch im dröhnenden Vergnügen auf dem legendären „Ring“.

Die Eifel und Berndorf - sie gehören längst schon untrennbar zusammen. Auch deshalb, weil schon seine Großmutter und sein Großvater aus der Eifel stammten, aus Hottenheim bei Mayen, und weil der Vater gleich „nebenan“ lebte, in Breisig am Rhein. Kein Wunder, dass Michael Preute alias Jacques Berndorf schon als Kind häufig in der Eifel war. Und dass seine Rückkehr in die Eifel im Jahre 1984 im Grunde eine Heimkehr war, zurück zu den Wurzeln.

Aber nicht nur die Eifel und Jacques Berndorf, auch das Eifel-Literatur-Festival und Jacques Berndorf gehören zusammen.
Stand Jacques Berndorf doch 1994 an der Wiege des Festivals: bei der ersten Festivallesung überhaupt, im kleinen Schalterraum einer kleinen Bank zu Prüm, als „Eifel-Blues“ noch nichts vom Höhenflügen auf der Bestsellerliste wusste.
Und erhielt er doch 1996, als einer der Ersten, den Literaturpreis des Eifel-Literatur-Festivals.
Gemeinsam mit Ralf Kramp, der damals den Förderpreis entgegennehmen konnte für sein Krimi-Debüt „Tief unterm Laub“.
Den hatte er als Manuskript noch ängstlich und unsicher Jacques Berndorf vorgelegt, um zu erfahren, ob er überhaupt schreiben könne.
Mehr als zehn Jahre später blicken wir auch bei Ralf Kramp auf einen auflagenstarken Bücherberg fast schon von Mittelgebirgs-Ausmaßen:
- fast zehn Eifel-Kriminalromane,
- ein Dutzend Anthologien mit schwarzhumorigen Kurzkrimis oder Schauer- und Gruselgeschichten aus der Eifel. Zuweilen garniert mit Kaffee, Tee oder Kakao in Dekordosen, so bei „Schwarzer Tod. Koffeinhaltige Kurzkrimis“ oder „Fünf-Uhr-Tod. Schwarzer Tee und Schwarze Geschichte“ oder „Killerkakao. Süße Trinkschokolade und schwarze Geschichten“.
Ab Anfang November können Sie übrigens in allen guten Eifelbuchhandlungen ein typisch Krampsches Weihnachtsgeschenk für den Gabentisch erwerben: „Mords-Weihnacht“ heißt das mörderische Adventskalenderbüchlein in 24 Kapiteln, versüßt mit einer Tafel köstlicher Weihnachtsschokolade im edlen Organzabeutelchen. Ein todsicheres Geschenk zum Fest der Liebe.
Nicht zu vergessen Kramps Kinderkrimis aus der Eifel, mit dem „schwarzen Kleeblatt“ als jugendlicher Ermittlergruppe.
Und mit einem Krimi-Buchladen, einem Krimi-Verlag, dem Krimi-Café Sherlock und dem Deutschen Krimi-Archiv mit rund 26.000 Büchern hat er, zusammen mit seiner Frau Monika, Hillesheim zur Krimihauptstadt der Eifel befördert.
Dass Jacques Berndorf und Ralf Kramp bei einem Eifel-Literatur-Festival dabei sind und ihre neuesten Bücher präsentieren, ist also ein Muss - und immer eine große Freude.
Herzlich willkommen beim 8. Eifel-Literatur-Festival 2008, herzlich willkommen in Adenau, in der Hocheifelhalle - herzlich willkommen die Krimi-Pioniere und Krimi-Meister der Eifel:
Jacques Berndorf und Ralf Kramp.

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