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Einführungsrede zu Anselm Grün in Wittlich

Von Dr. Josef Zierden

Dr. Zierden bei der Einführung zu Anselm GrünSehr geehrte Damen und Herren,

„schon wieder Anselm Grün?“

Das ist oftmals die erste Frage, die nicht zuletzt hauptamtliche Kulturschaffende bei der ersten Durchsicht des Festivalprogramm stellen. Die Frage nach dem „Warum“ steht dann immer im Raum.

Und im Raum wird sie seit Jahren auch beantwortet: mit vollen Sälen nämlich und mit vollen Hallen, wie heute Abend im Eventum in Wittlich mit rund 1500 Besucher - wie schon 2014 an gleicher Stelle.

Das sah in den vergangenen Jahren in Prüm, Bitburg oder Himmerod nicht anders aus: volles Haus, wohin man schaute.

Schon seit dem Festivaljahr 2006, bei Grüns erstem Festivalauftritt in Prüm.

Damit wird die Programmphilosophie des Eifel-Literatur-Festivals überdeutlich: Wir planen nicht an so deutlich erkennbaren Bedürfnissen der Festivalbesucher vorbei.

Wir respektieren die Abstimmung mit Füßen, beim Eifel-Literatur-Festival 2006 ebenso wie bei Grüns siebtem Eifel-Literatur-Festival 2018. Welcher Autor schafft es schon, so eine große Halle wie das Eventum Wittlich zu füllen, auch ein drittes Mal in kurzer Folge - nach gleich zwei Auftritten im Eventum 2014?

Wäre es kein Kalauer von bescheidenem Witz, dann würde ich von einem „Immergrün“ im Programmgarten des Eifel-Literatur-Festivals sprechen. Und wehmütig darauf schauen, welche Literaturpflanzen bei früheren Festivals in voller Blüte standen, ganz oben auf Bestsellerlisten oder auf den Bestenlisten - und heute sind viele davon schon längst verdorrt und vergessen.

Anselm Grün aber, inzwischen 73 Jahre alt - der boomt weiter als christlicher Publikumsmagnet unserer Tage, während die Kirchen immer leerer werden.

Anselm Grün - der war eben noch, wieder einmal, für 10 Tage in Asien, in Taiwan. Und immer noch fährt er am Steuer seines VW Golf an einem Abend wie diesem mal eben rund 350 Kilometer hin und 350 Kilometer zurück, jeweils mehr als dreieinhalb Stunden. Um die Nacht wieder in seinem Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg verbringen zu können. Da müsste er heute Morgen gegen 4.45 Uhr aufgestanden und um 05.05 Uhr zum Morgengebet erschienen sein. Und bei einem geschäftigen Tag im Kloster hat er heute vielleicht auch noch Zeit für ein Buchprojekt gefunden - nach bisher schon mehr als 300 Büchern mit rund 15 Mio. Auflage. Um dann zu uns in die Eifel zu fahren, wo er familiäre Wurzeln hat. Stammt doch seine Mutter aus Dahlem in der Nordeifel. Anselm Grün war das erste Mal dort im Jahre 1957, 13 jährig. Das damals stark landschaftlich geprägte Dorf war dem Stadtmenschen zunächst ein wenig fremd. Aber dann habe er sich doch sehr wohl gefühlt, sagte er 2010 in einem Interview mit der Kölnischen Rundschau. Nur der „sehr moralisierende und fordernde Ton des Pfarrers“ in der Sonntagsmesse - der habe ihm nicht besonders gefallen.

„Wie wir leben, wir wir leben könnten“ - dieses Buch, dieses Thema steht im Mittelpunkt des heutigen Abends. Worum es geht?

Um Haltungen, die einladen, auf gute Weise zu leben. Die Halt verleihen und Orientierung geben in der Haltlosigkeit und Unübersichtlichkeit der Zeit. Nichts liegt Anselm Grün ferner als ein Hoppla-hopp-Schnellkurs „Wie wir uns in sieben Tagen vollständig verändern können“. Das sanftere „Verwandeln“ ist sein Zauberwort. Das Ziel: ganz ich selbst zu werden, „jenes einmalige Bild zu werden, das Gott mir zugedacht hat.“ „Achtsam“, „aufrecht“, „authentisch“, „barmherzig“, „begeistert“, „bescheiden“, „dankbar“: Das sind nur einige der rund 30 Haltungen, die Grün anschaulich erläutert. Kernbegriffe erläutern; praktische Beispiele und Übungen aus seinen vielen Kursen heranziehen; theologische Vertiefung der Begriffe von den Evangelien bis zu prominenten Theologen - anschaulich, einprägsam und spirituell fundiert führt Anselm Grün zu zeitlos modernen Haltungen hin.

Da plädiert er für Barmherzigkeit in einer Zeit, in der Unbarmherzigkeit der Weg zum Erfolg zu sein scheint. Er lobt die Tugend der Beharrlichkeit in einer Zeit, in der wir - vom Zappen beim Fernsehprogramm bis zum Wechsel von Beziehungen - ungeduldig immer neuen Reizen erlägen. Alles müsse schnell gehen und sofort passieren. „Wenn es schwierig wird - wir hüpfen einfach zu anderen Optionen. Wir haben schließlich Möglichkeiten genug. Warum diese Unruhe?“ fragt er im Kapitel „Beharrlich“. Oder Bescheidenheit als Tugend. Wo sie doch im Wertekanon unserer Zeit nicht weit oben stehe: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Die Medien förderten eher eitle Selbstdarstellung als bescheidenes Auftreten.

Mit seinem Vortrag heute Abend im Eventum Wittlich möchte Anselm Grün Festivalfreunde einladen, in sich neue Möglichkeiten des Lebens zu entdecken.

Herzlich willkommen beim 13. Eifel-Literatur-Festival 2018,

herzlich willkommen im Eventum Wittlich - der auflagenstärkste und populärste christliche Autor unserer Zeit, der charismatische Benediktinermönch mit Eifeler Wurzeln, der mit Abstand beliebteste Stammgast des Eifel-Literatur-Festivals: Pater Anselm Grün. -